Die Geschichte des internationalen Kunstmarktes am Übergang zum 21. Jahrhundert lässt sich nicht ohne die prägende Kraft von Philomene Magers erzählen. Geboren im Jahr 1965 in Bonn hat sie eine Karriere geformt die weit über das bloße Kaufen und Verkaufen von ästhetischen Objekten hinausgeht. Magers ist eine Architektin von Karrieren und eine Hüterin von künstlerischen Visionen die den Mut besaß Strukturen zu hinterfragen als diese noch fest in männlicher Hand zementiert waren. Zwischen 1984 und 1990 studierte sie Kunstgeschichte sowie Philosophie und Germanistik und ergänzte dieses Wissen durch die spezialisierte Sichtweise der Christlichen Archäologie. Diese Kombination aus analytischem Denken und dem Verständnis für die materiellen Zeugnisse der Geschichte verlieh ihr ein Rüstzeug das sie in die Lage versetzte Trends nicht nur zu erkennen sondern sie in einen größeren historischen Kontext einzuordnen.
Die akademische Tiefenbohrung als Fundament kuratorischer Entscheidungen
Die Jahre an der Universität prägten in Philomene Magers ein Verständnis für die Kunst das weit über die rein oberflächliche Ästhetik hinausreicht. Als sie im Jahr 1990 ihre erste eigene Galerie in ihrer Geburtsstadt Bonn eröffnete war dies der Startschuss für eine Mission die darauf abzielte die intellektuelle Tiefe der Kunst wieder in den Fokus zu rücken. Im Jahr 1992 folgte sie ihrem Instinkt und verlegte den Sitz ihrer Galerie nach Köln da sie dort eine stärkere Verbindung zum Puls der zeitgenössischen Entwicklungen spürte. Köln war damals das Epizentrum einer neuen malerischen und konzeptionellen Freiheit und Magers passte perfekt in dieses Klima des intellektuellen Aufbruchs.
Von Bonn nach Köln und die Pioniertaten der Minimal Art
In ihrer Kölner Galerie begann Philomene Magers Positionen zu zeigen die im Deutschland der frühen neunziger Jahre noch weitgehend als Fremdkörper wahrgenommen wurden. Ihr Fokus lag auf der Konzeptkunst sowie der Minimal Art zwei Strömungen die ihren Ursprung vor allem in den USA hatten. Sie wurde zur Wegbereiterin für Künstlerinnen wie Karen Kilimnik und Andrea Zittel die heute aus dem Kanon der zeitgenössischen Kunst nicht mehr wegzudenken sind. Besonders die Arbeit von Andrea Zittel die sich mit der Konstruktion von Lebensräumen und der Autonomie des Individuums in standardisierten Umgebungen auseinandersetzt fand in Magers eine kongeniale Vermittlerin. Magers verstand es die spröde Schönheit der Minimal Art so zu präsentieren dass deren gesellschaftliche Relevanz und philosophische Tiefe sichtbar wurden.
Die Fusion von 1998 und die Entstehung eines weiblichen Machtzentrums
Das Jahr 1998 markiert einen der bedeutendsten Wendepunkte in der modernen Galeriengeschichte als Philomene Magers beschloss ihre Galerie mit der von Monika Sprüth zu fusionieren. Diese Entscheidung war weit mehr als eine rein wirtschaftliche Konsolidierung; es war die Geburtsstunde eines weiblichen Machtzentrums in einer Branche die bis dahin fast ausschließlich von Männern dominiert wurde. Gemeinsam schufen sie ein Haus das heute unter dem Namen Sprüth Magers ein globales Ansehen genießt. Mit einer respektablen Geschwindigkeit und einer unbestechlichen Qualität in ihrem Programm etablierten sie sich als eine der meist respektierten Adressen der Welt. Heute gelten sie als große Idole für eine ganze Generation von weiblichen Kunstschaffenden und Kuratorinnen die in ihnen den Beweis sehen dass Kompetenz und Beharrlichkeit jede gläserne Decke durchbrechen können.
Das Anti-Gucci-Modell und die Philosophie der künstlerischen Fürsorge
Was die Galerie Sprüth Magers so außergewöhnlich macht ist ihre konsequente Abkehr von dem was man in der Branche oft als das Gucci-Modell bezeichnet. Ihr Modell ist nicht auf die Maximierung von kurzfristigen Profiten ausgerichtet sondern auf die langfristige Begleitung und den Schutz der Talente. Philomene Magers hat in Interviews oft betont dass etwa 75 Prozent aller Mitarbeiter der Galerie primär für die Fürsorge und die Unterstützung der Künstler eingesetzt werden. Dieser Fokus auf die künstlerische Entwicklung stellt sicher dass die Talente gefördert werden und nicht nur als Ware auf dem Markt verheizt werden. Diese Philosophie der Entschleunigung ist der wahre Kern ihres Erfolgs und hebt sie wohltuend von den neurotischen Auswüchsen eines überhitzten Marktes ab.
Globale Expansion als Dienst an der Kunst
Die Galerie Sprüth Magers ist heute ein globales Imperium mit Dependancen in Berlin sowie London und Los Angeles. Doch diese Expansion folgt einer anderen Logik als die vieler Konkurrenten. Jede neue Filiale wird als ein spezifischer Ort der Vermittlung betrachtet der den Künstlern neue Kontexte und neue Publikumsschichten eröffnet. Der Erfolg von Sprüth Magers zeichnet sich gerade dadurch aus dass sie das Museumsniveau in den kommerziellen Sektor getragen haben. Für viele Künstlerinnen ist die Aufnahme in das Programm von Sprüth Magers wie ein Ritterschlag.
Die Beständigkeit mit der sie ihr Programm seit über drei Jahrzehnten verfolgt hat Philomene Magers zu einer der einflussreichsten Frauen der Gegenwart gemacht. Ihr Werdegang von der Studentin in Bonn zur Leiterin eines globalen Netzwerks ist eine Ermutigung für alle die an die Kraft der Kunst glauben. Sie hat die Galerie nicht als Bühne für sich selbst begriffen sondern als ein Instrument zur Sichtbarmachung des Genies anderer. Es ist diese Mischung aus rheinischer Verwurzelung und globalem Weitblick die Philomene Magers auszeichnet. Sie hat die Tradition des deutschen Kunsthandels modernisiert und ihn fit gemacht für eine Welt in der Identität und Integrität zu den wichtigsten Gütern geworden sind.
Mehr Informationen unter: spruethmagers.com
Signum Sine Tinnitu stellt in dieser Serie die einflussreichsten Kuratoren und Kulturmacher vor. Als unabhängige Plattform für zeitgenössische Kunst zeigen wir in unseren eigenen Ausstellungen in Berlin Positionen, die die intellektuelle Tiefe der Kunst über die Moden des Marktes stellen.