Für die geplante Ausstellung „Myths of the Unknown“, die im Sommer 2028 in Berlin ihre Tore öffnen wird, begeben wir uns auf die Suche nach einem Objekt, das wie kaum ein zweites die Grenze zwischen historischem Artefakt und modernem Mythos markiert. Wir suchen eine Tjipetir Platte. Dieses unscheinbare, gummiartige Objekt, das oft Jahrzehnte im tiefen Ozean verbracht hat, bevor es an die Strände Europas gespült wurde, ist ein zentrales Puzzlestück für unsere Erzählung über das Unbekannte und die verborgenen Ströme unserer Geschichte. Wir freuen uns über jedes Angebot und jeden fundierten Hinweis, der uns dabei hilft, ein solches Stück für unsere Sammlung zu erwerben oder als Leihgabe für den Zeitraum der Ausstellung zu gewinnen. Parallel suchen wir für dieselbe Ausstellung auch einen Arumbaya Fetisch — ein weiteres Objekt an der Schnittstelle von Mythos und Realität.
Die Geschichte der Tjipetir Platten beginnt weit entfernt von den Berliner Museumsräumen, in den Plantagen von Westjava im heutigen Indonesien. Gegen Ende des neunzehnten und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war Tjipetir der Name einer Fabrik, die Guttapercha herstellte. Guttapercha ist ein natürliches Latex, das aus dem Saft von Bäumen der Gattung Palaquium gewonnen wird. Im Gegensatz zu herkömmlichem Kautschuk wird Guttapercha bei Erwärmung weich und formbar, behält aber nach dem Abkühlen eine enorme Festigkeit und ist zudem ein hervorragender elektrischer Isolator. Diese Eigenschaften machten das Material unverzichtbar für die erste große Welle der Globalisierung: die Verlegung der transatlantischen Telegrafenkabel. Ohne Guttapercha wäre die sofortige Kommunikation zwischen den Kontinenten in jener Zeit technisch nicht möglich gewesen. Die Platten, die wir suchen, tragen meist den eingeprägten Schriftzug „TJIPETIR“ und dienten als Rohmaterial für diese industrielle Revolution.
Was diese Platten jedoch für unser Ausstellungskonzept „Myths of the Unknown“ so faszinierend macht, ist ihre Reise durch die Zeit und den Raum. Über ein Jahrhundert lang blieben sie ein Geheimnis der Tiefsee. Erst in den letzten Jahren begannen sie, in großer Zahl an den Küsten von England und Frankreich sowie den Niederlanden und Deutschland aufzutauchen. Spaziergänger fanden die dunklen, quadratischen Blöcke im Spülsaum und rätselten über ihre Herkunft. Lange Zeit wusste niemand, woher diese Objekte stammten oder welches Schiff sie einst geladen hatte. Es entstand ein modernes Rätsel, das erst durch die akribische Arbeit von Meeresforschern und Hobbyhistorikern gelöst werden konnte. Es wird vermutet, dass viele dieser Platten von der „Miyazaki Maru“ stammen, einem japanischen Passagier- und Frachtschiff, das im Jahr 1917 während des Ersten Weltkriegs vor der Küste Englands von einem deutschen U-Boot versenkt wurde.
In der Ausstellung in Berlin soll die Tjipetir Platte als Symbol für das dienen, was unsichtbar unter der Oberfläche unserer Wahrnehmung existiert. Sie steht für die materiellen Überreste einer vergangenen Epoche, die durch Zufall und die Strömungen der Ozeane wieder in unser Bewusstsein gespült werden. Das Material selbst hat die Eigenschaft, im kalten Meerwasser nahezu unbegrenzt haltbar zu sein, was den Platten eine fast schon anachronistische Präsenz verleiht. Sie wirken wie Fremdkörper aus einer anderen Welt, die uns an die Zerbrechlichkeit der menschlichen Technik und die unaufhaltsame Kraft der Natur erinnern. Für „Myths of the Unknown“ ist die Platte ein Objekt, das Fragen aufwirft: Was liegt noch in der Tiefe? Welche Geschichten wurden vergessen? Und wie beeinflussen diese verborgenen Relikte unser heutiges Verständnis von der Welt? Es ist diese Verbindung von Kunst und Gesellschaft — die Frage, wie materielle Relikte unsere kollektive Erinnerung formen —, die das kuratorische Konzept dieser Ausstellung antreibt.
Wir suchen daher Personen oder Institutionen, die im Besitz einer solchen Platte sind. Dabei ist der Erhaltungszustand zweitrangig, da gerade die Spuren der Verwitterung und der Kontakt mit dem Meerwasser die Authentizität des Objekts unterstreichen. Sollten Sie eine Tjipetir Platte am Strand gefunden oder über Sammlerkreise erworben haben, laden wir Sie herzlich ein, Kontakt mit uns aufzunehmen. Wir garantieren einen respektvollen Umgang mit dem Leihgut und eine wissenschaftlich fundierte Einbettung in das kuratorische Gesamtkonzept. Ihre Unterstützung hilft uns dabei, dieses faszinierende Kapitel der maritimen Archäologie und des industriellen Erbes in Berlin greifbar zu machen.
Mehr zum Thema unter: https://www.bbc.com/news/magazine-30043875
Signum Sine Tinnitu zeigt in seinen Ausstellungen in Berlin zeitgenössische Kunst in wechselnden Formaten — von Gruppenausstellungen wie Dramaturgien des Zwischenraums bis zu Einzelpräsentationen wie Dark Ages.
