Die Berliner Galeristin Anna Jill Lüpertz bündelt unter dem Label AJLart seit zweitausendzehn ihre vielseitige Tätigkeit als Leiterin eines Projektraums sowie als Kuratorin und Kunstberaterin. In einer Ära in der sich die Parameter des Kunstmarktes stetig verschieben markiert AJLart einen radikalen Gegenentwurf zur klassischen statischen Galerie. Lüpertz die auf eine fundierte Ausbildung und weitreichende Erfahrungen in renommierten Häusern wie den Galerien Julius Werner und Michael Werner sowie der Galerie Crone zurückblickt nutzt ihre Expertise um neue Wege der Kunstvermittlung zu explorieren. Seit Mai zweitausendelf wird sie in dieser ambitionierten Arbeit von Sophie Weiser unterstützt. Gemeinsam haben die beiden Frauen eine Plattform geschaffen die als direkte Antwort auf die rasch wandelnden Bedürfnisse von Künstlern und Kunstfreunden fungiert. Dabei steht die Flexibilität im Zentrum des Handelns was sich in der Inszenierung temporärer und kontextbetonter Ausstellungen an wechselnden Standorten innerhalb Berlins manifestiert. Diese Vorgehensweise erlaubt es die Kunst in einem Umfeld zu präsentieren das ihre spezifische Aura verstärkt anstatt sie in ein standardisiertes weißes Raumgefüge zu zwängen.
Die Architektur des Geistes als konzeptionelles Fundament
Das Besondere an AJLart ist die Tatsache dass die Galerie primär als ein geistiges Gebäude existiert. Dieser Begriff beschreibt eine Struktur die physisch nicht an einen einzigen unveränderlichen Ort gebunden ist sondern sich durch die Summe der kuratorischen Ideen und die Auswahl der Künstler definiert. In diesem geistigen Gebäude gibt es zwar reale Räume diese werden jedoch sowohl temporär als auch auf Dauer genutzt je nach den Erfordernissen der jeweiligen Projekte. Die Wahl der realen Räume erfolgt unter strengen ästhetischen Gesichtspunkten da jeder Ort eine bestimmte Stimmung evoziert die mit den gezeigten Kunstwerken korrespondieren muss. Das Ziel dieser Philosophie ist es dass sich die Kunst nicht an den Raum anpassen muss sondern dass für jedes Werk der exakt passende Raum gefunden wird. Oft handelt es sich dabei um Gebäude die kurz vor einer Sanierung stehen und deren rohe unfertige Ästhetik einen idealen Resonanzraum für zeitgenössische Positionen bietet. Dieser Ansatz befreit die Galeristinnen von den Limitierungen fester räumlicher Gegebenheiten und ermöglicht eine maximale künstlerische Entfaltung.
Professionelle Stationen und die Genese einer Nomadengalerie
Die Geschichte von AJLart ist untrennbar mit der Biografie von Anna Jill Lüpertz verbunden. Aufgewachsen in einer Familie von Galeristen und Künstlern wurde ihr das Verständnis für ästhetische Prozesse bereits in die Wiege gelegt. Ihre Kompetenz im Bereich des Galeriewesens festigte sie in leitenden Positionen an den wichtigen Kunststandorten Berlin und Köln sowie in New York City. Diese internationale Perspektive prägt bis heute die Auswahl der Künstler und die strategische Ausrichtung von AJLart. Als sie im Jahr zweitausendzehn die AJLart Gallery gründete agierte sie zunächst im Sinne einer Nomadengalerie ohne festen Standort. Die ersten Ausstellungen fanden in unterschiedlichsten Räumlichkeiten statt die jeweils individuell an die Arbeiten der gezeigten Künstler angepasst waren. In dieser Phase fungierte Lüpertz gleichzeitig als Projektmanagerin und Händlerin sowie als Kuratorin was ihr eine ganzheitliche Sicht auf die Bedürfnisse der Kunstproduktion ermöglichte. Diese nomadische Praxis schärfte den Blick für die Bedeutung des Kontextes und legte den Grundstein für den heutigen Erfolg des Labels.
Der Übergang zur Beständigkeit in der Potsdamerstraße
Trotz des erfolgreichen Konzepts der wechselnden Räume erwies sich die Suche nach einem festen Standort für die Verwirklichung besonders ambitionierter Projekte schließlich als unumgänglich. Seit Anfang zweitausenddreizehn befindet sich die AJLart Galerie in der Potsdamerstraße achtundneunzig a im Hause der Alexander und Renata Camaro Stiftung. Dieser Ort bietet die notwendige Stabilität um großformatige Installationen und langfristig angelegte Werkschauen professionell umzusetzen. Dennoch hat die Galerie ihren Charakter als geistiges Gebäude nicht verloren. Die festen Räumlichkeiten fungieren nun als Ankerpunkt innerhalb eines Netzwerks das weiterhin temporäre Interventionen an anderen Standorten zulässt. Die Potsdamerstraße selbst hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst entwickelt wodurch AJLart in ein lebendiges Umfeld aus Galerien und kulturellen Institutionen eingebettet ist. Die Verbindung zur Camaro Stiftung ermöglicht zudem einen interdisziplinären Austausch der die kuratorische Arbeit von Lüpertz und Weiser bereichert.
Mediale Diversität und die Auswahl internationaler Positionen
Das Programm von AJLart zeichnet sich durch eine beeindruckende mediale Bandbreite aus die von der Malerei und Zeichnung über Fotografie und Skulptur bis hin zu komplexen Videoinstallationen reicht. Eine bestimmte Anzahl internationaler Künstler die einen eigenständigen Standpunkt innerhalb der zeitgenössischen Kunst widerspiegeln wird von Anna Jill Lüpertz fest vertreten. Zu diesem handverlesenen Kreis gehören Persönlichkeiten wie Björn Wallbaum und Olaf Hajek sowie Christine Rusche und Maria Gimenez. Auch Positionen wie Steff Loewenbaum und Will Kempkes finden in der Galerie eine Plattform für ihre künstlerische Entwicklung. Weiterhin bereichern Pia Dehne und Daniel Kannenberg sowie Pietro Sanguineti und Maryna Baranovska das Portfolio von AJLart. Diese Auswahl zeigt dass die Galerie keinen kurzlebigen Markttrends hinterherjagt sondern auf langfristige Kooperationen und inhaltliche Tiefe setzt. Die Künstler profitieren dabei von der intensiven Beratung und der individuellen Betreuung durch die Galeristinnen die ihre Rolle auch als Begleiterinnen kreativer Prozesse begreifen.
Synergien und die Rolle von Sophie Weiser
Die Unterstützung durch Sophie Weiser seit Mai zweitausendelf war ein entscheidender Faktor für die Professionalisierung und Erweiterung des Tätigkeitsfeldes von AJLart. Die Zusammenarbeit der beiden Frauen basiert auf einem tiefen gegenseitigen Vertrauen und einer geteilten Vision von der Zukunft der Kunstvermittlung. Während Anna Jill Lüpertz ihre langjährige Erfahrung und ihr weitreichendes Netzwerk einbringt ergänzt Sophie Weiser das Team durch ihre Perspektiven und ihre Expertise in der Umsetzung komplexer Projekte. Gemeinsam inszenieren sie Ausstellungen die nicht nur ästhetisch überzeugen sondern auch gesellschaftlich relevante Diskurse anstoßen. Die Synergie zwischen den beiden Galeristinnen ermöglicht es die verschiedenen Funktionen als Kuratorinnen und Beraterinnen sowie als Händlerinnen nahtlos miteinander zu verknüpfen. Dieser ganzheitliche Ansatz stellt sicher dass sowohl die Künstler als auch die Sammler eine umfassende und fachlich fundierte Betreuung erhalten die über den reinen Verkaufsprozess hinausgeht.
AJLart als Seismograf der Berliner Kunstlandschaft
Innerhalb der dynamischen Berliner Kunstszene fungiert AJLart als ein sensibler Seismograf für neue Entwicklungen und Strömungen. Die Entscheidung sich nicht durch räumliche Möglichkeiten limitieren zu lassen hat eine Flexibilität hervorgebracht die in der traditionellen Galerienlandschaft selten anzutreffen ist. AJLart ist dort präsent wo die Kunst ihre stärkste Wirkung entfalten kann sei es in einer sanierten Stiftung oder in einem rohen Industriekomplex. Diese Anpassungsfähigkeit spiegelt den Geist Berlins wider einer Stadt die sich selbst in einem permanenten Wandel befindet. Lüpertz und Weiser nutzen die urbane Transformation als Material für ihre kuratorische Arbeit und machen die Geschichte der Orte zum Teil der künstlerischen Aussage. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Identität Berlins als Ort der ständigen Neuerfindung und des kreativen Experiments. Die Galerie ist kein abgeschlossener Raum sondern ein offenes System das den Austausch und die Begegnung fördert.
Ausblick und die Zukunft der kontextbetonten Kuration
Zusammenfassend lässt sich festhalten dass AJLart unter der Leitung von Anna Jill Lüpertz und Sophie Weiser ein Modell für die Galerie der Zukunft geschaffen hat. Die konsequente Orientierung am Kontext und die Definition der Galerie als geistiges Gebäude ermöglichen eine Freiheit die für die Präsentation zeitgenössischer Kunst essenziell ist. Die Kombination aus internationaler Ausrichtung und lokaler Verankerung in Berlin sichert der Plattform eine hohe Relevanz im globalen Kunstmarkt. Auch in Zukunft wird AJLart weiterhin nach den richtigen Räumen für die Kunst suchen anstatt die Kunst in vorgegebene Raster zu pressen. Die Beständigkeit der vertretenen Künstler und die Qualität der ambitionierten Projekte lassen darauf schließen dass dieses innovative Konzept auch in den kommenden Jahren maßgebliche Akzente setzen wird. Ein Besuch der Ausstellungen von AJLart bleibt somit ein Muss für jeden der Kunst in ihrer reinsten und kontextuell stimmigsten Form erleben möchte.
AJLart
Alt-Moabit 130, 10557 Berlin
Telefon: +49 30 39 80 08 25
Öffnungszeiten: Fr & Sa 14-18 Uhr und nach Vereinbarung
E-Mail: info@ajlart.com
Website: Ajlart.com