Die Geschichte des internationalen Kunstmarktes lässt sich in der Zeitrechnung vor und nach Larry Gagosian gliedern. Gagosian der im Jahr 1945 in Los Angeles geboren wurde ist weit mehr als ein bloßer Händler er ist das personifizierte Prinzip der totalen Marktbeherrschung. Sein Weg vom einfachen Posterhändler an den staubigen Straßenecken von Los Angeles bis hin zum Souverän eines weltumspannenden Imperiums liest sich wie die ultimative Version des amerikanischen Traums. Mit seinem Branchennamen Go-Go wurde er zum Inbegriff von Geschwindigkeit Ehrgeiz und einer rücksichtslosen Effizienz die den klassischen europäischen Kunsthandel alter Schule bis ins Mark erschütterte. Gagosian hat verstanden dass Kunst in einer globalisierten Welt nicht nur ein ästhetisches Gut sondern die härteste aller Währungen ist. Sein Imperium das heute Filialen in den wichtigsten Metropolen der Welt wie New York London Rom und Athen umfasst ist ein Zeugnis seiner unbändigen Expansionskraft.
Vom Asphalt der Westküste in die gläsernen Paläste Manhattans
Der Aufstieg von Larry Gagosian begann mit einem Instinkt für das was die Massen begehren. In den siebziger Jahren verkaufte er Poster in den Straßen von Los Angeles. Im Jahr 1977 eröffnete er schließlich seine erste Galerie in San Francisco. Gagosian war nie ein Mann der leisen Töne. Sein Drang nach vorne trieb ihn konsequent in das Zentrum der Macht nach New York wo er die Mechanismen des Sekundärmarktes mit einer Präzision nutzte die bis dahin unbekannt war. Er erkannte dass die wahre Macht nicht nur darin liegt neue Talente zu entdecken sondern darin die bereits etablierten Ikonen der Moderne zu kontrollieren. Sein Talent besteht darin Kunst nicht nur zu verkaufen sondern sie wie ein strategisches Investment zu behandeln das in den Händen der richtigen Sammler an symbolischem und materiellem Wert gewinnt.
Das System der Diskretion und die Allianz mit den Giganten der Sammlung
Ein wesentlicher Pfeiler des Gagosian-Imperiums ist die absolute Verschwiegenheit die er als oberstes Gebot in seinen Geschäftsbeziehungen etabliert hat. Er verkauft Kunst nicht einfach nur an den Meistbietenden sondern er kuratiert seine Käuferschicht mit der gleichen Akribie wie seine Ausstellungen. Gagosian agiert für seine Kunden oft als Berater Agent und Einkäufer in Personalunion. Er kennt die Bestände der großen Privatsammlungen so genau wie kaum ein anderer und weiß genau wann ein Werk reif für einen Besitzerwechsel ist. Diese Rolle als graue Eminenz des Marktes verleiht ihm eine Autorität die weit über die Mauern seiner Galerien hinausreicht.
Der Gagosian-Effekt und die Mechanik der exponentiellen Wertsteigerung
In der Kunstszene ist ein Phänomen bekannt das als der Gagosian-Effekt bezeichnet wird. Es beschreibt die Beobachtung dass die Preise für die Werke eines Künstlers oft sprunghaft ansteigen sobald öffentlich bekannt wird dass Larry Gagosian dessen Vertretung übernommen hat. Gagosian nimmt ausschließlich Künstler in sein Portfolio auf die bereits eine gewisse Marktreife erlangt haben. Namen wie Richard Serra Frank Stella oder Cy Twombly sind die Säulen auf denen er sein Geschäftsmodell der absoluten Exzellenz errichtet hat. Durch seine globalen Filialen ist er in der Lage einen Künstler gleichzeitig in New York London und Hongkong zu präsentieren was eine mediale und marktstrategische Wucht erzeugt der sich kein Sammler entziehen kann. Sein Portfolio liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines Lehrbuchs zur zeitgenössischen Kunstgeschichte.
Schattenseiten des Erfolgs und der unerbittliche Kampf um die Vorherrschaft
Wo Licht ist ist bei einem Akteur von der Statur eines Larry Gagosian zwangsläufig auch Schatten zu finden. Im Jahr 2003 geriet er ins Visier der amerikanischen Justiz als er zusammen mit Geschäftspartnern wegen angeblicher Hinterziehung von mehr als 25 Millionen US-Dollar Einkommenssteuer angeklagt wurde. Auch im operativen Geschäft gab es juristische Auseinandersetzungen wie etwa den Fall um den Verkauf eines Werkes von Cy Twombly. Gegenüber seiner Konkurrenz wird Gagosian oft als Hai beschrieben der seine Marktstärke schamlos ausnutzt. Seine Aggressivität in der Akquise von Künstlern und in der Abwicklung von Deals ist legendär und gefürchtet.
Die Ökonomie der Megagalerie
Die wirtschaftlichen Kennzahlen der Gagosian Gallery unterstreichen den Status des Imperiums als eine Klasse für sich. In den vergangenen Jahren verzeichnete die Galerie einen jährlichen Umsatz der regelmäßig die Marke von 900 Millionen Dollar überschritt und oft sogar in den Bereich von weit über einer Milliarde Dollar vorstieß. Er hat den Kunstmarkt industrialisiert und professionalisiert indem er Strukturen geschaffen hat die eine weltweite Präsenz und eine permanente Verfügbarkeit von Spitzenwerken garantieren. Seine Galerien sind architektonische Statements die oft von Stararchitekten entworfen wurden und die den Museen in nichts nachstehen. Gagosian hat verstanden dass man im obersten Segment des Marktes nicht nur Kunst sondern ein Lebensgefühl und einen Status verkauft.
Larry Gagosian als Architekt einer neuen Realität des Kunsthandels
Larry Gagosian hat die Spielregeln des Kunstbetriebs für immer verändert. Er hat den Typus des Megagaleristen erschaffen. Sein Einfluss reicht tief in die Museen und Institutionen hinein da seine Leihgaben und seine finanzielle Unterstützung oft über den Erfolg großer Ausstellungen entscheiden. Gagosian ist kein reiner Händler mehr er ist ein Kurator der Macht der die ästhetischen Vorlieben einer globalen Elite formt. Er hat bewiesen dass man mit einer Mischung aus Instinkt Härte und einer bedingungslosen Hingabe an die Kunst ein Imperium errichten kann das über Kontinente hinweg Bestand hat. Er hat es geschafft sich ein Netzwerk aufzubauen das ihm einen Informationsvorsprung sichert den kein Konkurrent einholen kann. Sein Vermächtnis wird nicht nur in den verkauften Bildern sondern in der veränderten Struktur des Marktes selbst weiterleben. Larry Gagosian bleibt der Go-Go des Kunstbetriebs ein Mann der niemals stillsteht.
Mehr Informationen unter: gagosian.com
Signum Sine Tinnitu stellt in dieser Serie die einflussreichsten Kuratoren und Kulturmacher vor. Als unabhängige Plattform für zeitgenössische Kunst zeigen wir in unseren eigenen Ausstellungen in Berlin Positionen, die sich der totalen Marktbeherrschung entziehen und die intellektuelle Integrität der Kunst verteidigen.
