Glenn David Lowry - einer der wichtigsten Künstler unserer Zeit

Glenn David Lowry und die architektonische sowie institutionelle Neudefinition des MoMA im globalen Kontext

Wenn man auf die Entwicklung der bedeutendsten Kunstinstitutionen der westlichen Welt blickt, führt kein Weg an Glenn David Lowry vorbei. Der 1954 in New York geborene Lowry bekleidet das Amt des Direktors des Museum of Modern Art, kurz MoMA, bereits seit 1995 und hat damit eine Ära geprägt, die in ihrer Intensität und Dauer ihresgleichen sucht. Sein Wirken am MoMA ist dabei weit mehr als eine reine Verwaltung von Beständen; es ist eine fortwährende Neuerfindung dessen, was ein Museum für moderne Kunst im 21. Jahrhundert überhaupt leisten kann und muss. Unter seiner Ägide hat sich das MoMA von einem ehrwürdigen Tempel des Kanons zu einem dynamischen, oft kontroversen und stets zukunftsgewandten Laboratorium der visuellen Kultur entwickelt. Lowry verbindet dabei die intellektuelle Schärfe eines Historikers mit dem strategischen Geschick eines Top-Managers.

Die akademische Grundlegung und das Erbe der Geschichte

Im Jahr 1976 schloss er sein Studium der Geschichte am Williams College mit der Ehrung magna cum laude ab. Es folgte 1978 der Master-Abschluss und schließlich 1982 die Promotion in Geschichte und Kunst. Bemerkenswert ist dabei, dass sein wissenschaftlicher Schwerpunkt ursprünglich im Bereich der nahöstlichen und islamischen Kunst lag. Diese Perspektive auf eine nicht-westliche Hochkultur gab ihm ein frühes Verständnis für globale Zusammenhänge und die Relativität ästhetischer Normen. Seine Karriere startete er 1983 als erster Direktor des Joseph und Margaret Muscarelle Museum of Art am College of William and Mary. Die Jahre von 1984 bis 1990 verbrachte er als Kurator in der Arthur M. Sackler Gallery und der Freer Gallery of Art der Smithsonian Institution.

Von Ontario nach Manhattan: Die Philosophie des permanenten Fortschritts

Ein entscheidender Schritt war Lowrys Zeit als Direktor der Art Gallery of Ontario in Toronto von 1990 bis 1995. Lowry beschrieb den Zustand der Institution als in progress. Diese Beschreibung ist bezeichnend für seine gesamte Philosophie: Für Lowry ist ein Museum niemals fertig. Er begreift Kunsthäuser als lebendige Organismen, die von einer hohen Fluktuation der Werke und einer ständigen Befragung des eigenen Bestands leben müssen. Diese Einstellung brachte er 1995 mit nach Manhattan, als er die Leitung des MoMA übernahm.

Die monumentale Expansion von 2004 und das Fundraising als Kunstform

Einer der bedeutendsten Meilensteine in Lowrys Amtszeit war die umfassende Renovierung und Expansion des MoMA, die im Jahr 2004 abgeschlossen wurde. Dieses Mammutprojekt, das nach den Entwürfen des japanischen Architekten Yoshio Taniguchi realisiert wurde, nahm eine Summe von über 900 Millionen Dollar in Anspruch. Lowry bewies ein fast schon legendäres Geschick im Bereich des Fundraisings. Er verstand es meisterhaft, die New Yorker Elite und internationale Mäzene für seine Vision eines neuen, lichten und weitläufigen MoMA zu begeistern. Der Umbau veränderte nicht nur die physische Präsenz des Museums in Midtown Manhattan, sondern auch die Art und Weise, wie Kunst dort präsentiert wurde.

Die Fusion mit dem PS1 und die Radikalisierung der Gegenwart

Im Jahr 1999 initiierte Lowry die erfolgreiche Fusion des Museums mit dem PS1 Contemporary Art Center. Durch die Verbindung des etablierten Weltmuseums mit dem avantgardistischen Kraftzentrum in Long Island City schuf Lowry ein einzigartiges Ökosystem, in dem die klassische Moderne und die radikale Gegenwart in einen ständigen Dialog treten konnten. Diese Initiative sorgte dafür, dass das MoMA auch für junge Künstler und ein experimentierfreudiges Publikum attraktiv blieb. Gleichzeitig trieb er den Aufbau beeindruckender Sammlungen im Bereich der konzeptionellen Kunst und des Fluxus voran.

Die Neuerfindung des Museumsbesuchs

Lowry hat erkannt, dass die oft kühle und einschüchternde Aura großer Museen viele Menschen abschreckt. Er setzt daher auf eine Architektur und eine Vermittlungsarbeit, die Barrieren abbaut und Räume für sozialen Austausch schafft. Das MoMA soll kein exklusiver Tempel der Hochkultur sein, sondern ein öffentlicher Ort der Begegnung, an dem man nicht nur Kunst betrachtet, sondern auch über sie spricht und in ihr verweilt. Lowry möchte, dass die Besucher nicht nur als Konsumenten, sondern als aktive Teilnehmer am kulturellen Prozess wahrgenommen werden.

Internationaler Diplomat und Theoretiker der Museumswelt

Neben seiner operativen Tätigkeit ist Glenn David Lowry ein weltweit gefragter Redner und Autor, der maßgeblich zur Debatte über die Rolle von Museen in der modernen Gesellschaft beiträgt. Seine Mitgliedschaften in Gremien wie dem Kuratorium des Williams College, der American Academy of Arts and Sciences sowie der American Philosophical Society unterstreichen seinen Status als einer der führenden Intellektuellen des Landes. Besonders bemerkenswert ist auch sein Engagement im Lenkungsausschuss für den Aga Khan Award für Architektur. Im Jahr 2004 ehrte ihn die französische Regierung mit dem Titel des Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres.

Lowry hat das Museum erfolgreich in das digitale Zeitalter geführt, wobei er stets betont, dass die physische Begegnung mit dem Originalwerk unersetzlich bleibt. Unter seiner Führung hat das MoMA seine Sammlungsstrategie globaler ausgerichtet und verstärkt Künstler aus dem globalen Süden sowie weibliche Positionen in den Fokus gerückt. Lowry bleibt seinem Prinzip der Unruhe treu: Er sucht ständig nach neuen Wegen, um das MoMA als den zentralen Ort für die Diskussion über die visuelle Identität unserer Zeit zu behaupten. Er hat bewiesen, dass ein Museum nur dann überleben kann, wenn es bereit ist, sich selbst immer wieder in Frage zu stellen. Das MoMA unter Lowry ist ein Haus, das keine Angst vor der Zukunft hat, weil es gelernt hat, die Unschärfe und den Wandel als produktive Kräfte zu begreifen.

Mehr Informationen unter: MoMA — Glenn Lowry

Signum Sine Tinnitu stellt in dieser Serie die einflussreichsten Kuratoren und Kulturmacher vor. Als unabhängige Plattform für zeitgenössische Kunst zeigen wir in unseren eigenen Ausstellungen in Berlin Positionen, die den Kanon der Moderne kritisch hinterfragen und ständig erweitern.