Die Entscheidung von Alexander Levy sich aus dem etablierten Gefüge des Musikgeschäfts zurückzuziehen um sich mit einer fast schon existenziellen Intensität der Kunstwelt zu widmen markiert einen jener seltenen Momente der biografischen Aufrichtigkeit die das Fundament für eine außergewöhnliche Karriere bilden. Es war kein bloßer Wechsel der Branche sondern eine bewusste Hinwendung zu einer Form des Ausdrucks die über das flüchtige Moment des Akustischen hinausgeht und in die dauerhafte Präsenz des Objekts und der Idee mündet. Der Name Levy ist in der deutschen Kunstlandschaft seit Jahrzehnten mit einer Tradition verbunden die durch den Vater in Hamburg geprägt wurde. Thomas Levy führt dort seit über vierzig Jahren eine Galerie die sich vor allem durch die Pflege der klassischen Moderne des Surrealismus und der figurativen Malerei einen Namen gemacht hat. Als die Expansion nach Berlin im Jahr 2009 erfolgte lag es nahe dass Alexander als Vertreter der nächsten Generation die Leitung des Standorts übernahm. Doch die zwei Jahre in denen er das Programm seines Vaters in der Hauptstadt repräsentierte wurden zu einer Phase der inneren Revision. Die Erkenntnis dass die Bewahrung des Väterlichen nicht ausreichte um die eigenen intellektuellen Bedürfnisse zu befriedigen führte zu einem Prozess der Emanzipation der die Geburtsstunde einer neuen visionären Galerie einläutete.
Die Transformation von der Musik zur bildenden Kunst
Der Hintergrund im Musikgeschäft hat bei Alexander Levy Spuren hinterlassen die sich bis heute in seiner Herangehensweise an die Vermittlung von Kunst bemerkbar machen. In der Musik geht es oft um Rhythmus um Harmonien und um die Erzeugung von Stimmungen die den Hörer unmittelbar gefangen nehmen. Diese Sensibilität für Schwingungen und für das Timing hat Levy in die bildende Kunst überführt. Er begreift eine Ausstellung nicht als statische Anordnung von Werken sondern als eine Komposition die einen Raum zum Klingen bringt. Die jungen Künstler die er heute vertritt arbeiten oft an den Schnittstellen von Technologie Naturwissenschaft und Philosophie. Alexander Levy hat verstanden dass die Kunst der Gegenwart keine Antworten geben muss sondern Räume für Fragen öffnen sollte die in ihrer Radikalität die Grundfesten unserer Wahrnehmung erschüttern.
Im Spannungsfeld zwischen familiärer Tradition und konzeptueller Neuausrichtung
Die Fußstapfen in die Alexander Levy trat waren groß und wohlgeformt. Die Tradition der Hamburger Galerie bot Sicherheit und ein Netzwerk das über Jahrzehnte gewachsen war. Doch Berlin verlangte nach etwas anderem als der bloßen Wiederholung bewährter Konzepte. In der Metropole die sich ständig neu erfindet war der Druck zur Innovation groß. Die Jahre 2009 bis 2011 waren geprägt von diesem inneren Ringen. Er suchte nach Künstlern die keine Angst vor dem Experiment haben und die den Galeriebetrieb nicht nur als Marktplatz sondern als Laboratorium begreifen. Diese Neuausrichtung bedeutete auch eine Abkehr von der klassischen Malerei hin zu installativen prozessualen und oft immateriellen Arbeiten. Die Galerie alexander levy wurde so zu einem Ort an dem die Konzepte schwerer wiegen als die dekorative Oberfläche. Diese Transformation war mutig da sie bedeutete einen Teil des angestammten Publikums zu irritieren um ein neues junges und intellektuell hungriges Klientel zu gewinnen.
Felix Kiessling als Initialzündung für eine experimentelle Ästhetik
Der entscheidende Moment der Neupositionierung der Galerie war die erste Zusammenarbeit mit Felix Kiessling im Jahr 2010. Mit der Aufnahme dieses jungen Talents setzte Alexander Levy ein unmissverständliches Zeichen für die zukünftige Richtung seines Programms. Kiessling ist ein Künstler der sich in seinen Arbeiten mit den unsichtbaren Kräften der Welt auseinandersetzt. Er untersucht Gravitation Erdrotation magnetische Felder und die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung. In seinen Installationen macht er physikalische Phänomene erfahrbar die normalerweise unserem Bewusstsein entgehen. Für die Galerie alexander levy war diese Ausstellung ein Befreiungsschlag. Hier wurde deutlich dass es nicht mehr um das Bild an der Wand ging sondern um die physikalische Präsenz des Werkes im Raum und um die geistige Auseinandersetzung mit den Gesetzmäßigkeiten des Universums. Diese erste Schau legte den Grundstein für eine Zusammenarbeit die über Jahre hinweg das Profil der Galerie schärfen sollte.
Julius von Bismarck und die Verschränkung von Wissenschaft und künstlerischer Intervention
Ein weiterer Künstler der das Programm der Galerie maßgeblich prägt ist Julius von Bismarck. Seine Arbeiten sind oft groß angelegte Experimente die an der Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft operieren. Bismarck nutzt modernste Technologie um Naturphänomene zu manipulieren oder um unsere Sicht auf die Umwelt radikal zu verändern. Diese Form der Kunst erfordert eine Galerie die bereit ist produktionstechnische Herausforderungen anzunehmen die weit über das Übliche hinausgehen. Alexander Levy hat sich als Partner erwiesen der solche visionären Projekte nicht nur unterstützt sondern aktiv mitgestaltet. Die Zusammenarbeit mit Bismarck unterstreicht den Ruf der Galerie als eine der wichtigsten Adressen für transdisziplinäre Kunst in Berlin. Bismarcks Werke sind keine einfachen Objekte sie sind Ereignisse die den Betrachter zur Reflexion über seine eigene Rolle in einer technisierten Welt zwingen.
Ästhetische Verhandlung von Raum Zeit und Wahrnehmung
Das Programm der Galerie zeichnet sich durch ein tiefes Interesse an den Kategorien Raum und Zeit aus. Viele der vertretenen Künstler arbeiten mit Zeitverläufen oder mit räumlichen Verschiebungen die den Besucher aus seiner gewohnten Komfortzone reißen. In einer Zeit in der wir mit digitalen Bildern überflutet werden setzt Levy auf die physische Unmittelbarkeit der Installation. Die Räumlichkeiten der Galerie werden dabei immer wieder neu gedacht. Es gibt keine festen Regeln wie ein Raum bespielt werden muss. Jede Ausstellung ist ein Unikat das seine eigene logische Struktur mitbringt. Diese Flexibilität im Denken und im Handeln ist eines der Markenzeichen von Alexander Levy.
Fabian Knecht und die Inszenierung des Moments als skulpturales Ereignis
Ein weiteres Beispiel für die radikale Ausrichtung der Galerie ist das Werk von Fabian Knecht. Seine Aktionen die oft im öffentlichen Raum oder an abgelegenen Orten stattfinden werden für die Galerie so aufbereitet dass sie ihre explosive Kraft behalten. Knecht arbeitet mit dem Moment des Unerwarteten. Wenn er beispielsweise eine gewaltige Explosion im Berliner Stadtraum inszeniert oder einen White Cube mitten in einer unberührten Landschaft errichtet hinterfragt er die Grenzen der Institution Kunst. Die Galerie alexander levy bietet diesen flüchtigen Momenten eine Heimat und eine theoretische Einordnung. Hier zeigt sich die kuratorische Kompetenz von Levy der es versteht die Dokumentation einer Handlung so zu präsentieren dass sie selbst wieder zum eigenständigen Kunstwerk wird. Knechts Arbeiten fordern die Gesellschaft heraus und rütteln an den festgefahrenen Strukturen der Wahrnehmung.
Mut zur radikalen Abstraktion und konzeptuellen Strenge
Neben den spektakulären Installationen findet auch eine Form der leisen konzeptuellen Abstraktion ihren Platz in der Galerie. Künstler wie Vicky Uslé zeigen wie Malerei heute noch relevant sein kann wenn sie sich von der Gegenständlichkeit löst und stattdessen die Rhythmen und Strukturen des Denkens visualisiert. Die Galerie pflegt einen Umgang mit der Kunst der von großem Respekt vor dem Werk und der Intention des Künstlers geprägt ist. Alexander Levy verbindet das Handwerkszeug des klassischen Galeristen mit dem Geist eines experimentellen Kurators. Diese Symbiose macht die Galerie zu einem Ort der sowohl für Sammler als auch für Kuratoren internationaler Museen von höchstem Interesse ist.
Alexander Levy hat bewiesen dass Emanzipation nicht zwangsläufig Bruch bedeutet sondern auch eine Form der Veredelung sein kann. Indem er die Tradition seines Vaters als Fundament nutzte um darauf ein völlig neues zeitgenössisches Gebäude zu errichten hat er einen Weg gefunden der sowohl authentisch als auch zukunftsweisend ist. Die Galerie alexander levy steht heute für ein Programm das keine Kompromisse eingeht und das den Mut besitzt die großen Fragen unserer Zeit ästhetisch zu verhandeln. Die Entscheidung das Musikgeschäft zu verlassen war für die Berliner Kunstwelt ein Segen da Alexander Levy einen Raum geschaffen hat der durch seine Frische seine Seriosität und seine intellektuelle Tiefe besticht. Von den ersten Schritten mit Felix Kiessling bis hin zur Etablierung international gefragter Positionen wie Julius von Bismarck hat Alexander Levy einen Weg verfolgt der von einer klaren Vision geleitet wird. Die Galerie alexander levy ist mehr als nur ein Ausstellungsraum sie ist eine intellektuelle Heimat für eine Künstlergeneration die den Anspruch hat die Welt nicht nur abzubilden sondern sie in all ihrer Komplexität zu begreifen und zu transformieren.
Galerie Alexander Levy
Rudi-Dutschke-Straße 26, 10969 Berlin
Öffnungszeiten: Di–Sa 11–18 Uhr
Telefon: +49 30 25292221
E-Mail: info@alexanderlevy.net
Webseite: alexanderlevy.net
Signum Sine Tinnitu stellt in dieser Serie die wichtigsten Galerien in Berlin vor. Als unabhängige Plattform für zeitgenössische Kunst zeigen wir in unseren eigenen Ausstellungen Positionen, die an den Schnittstellen von Kunst, Wissenschaft und Philosophie operieren.