Die mianki.Gallery wurde im Sommer 2008 in Berlin-Schöneberg ins Leben gerufen und hat sich seitdem als feste Institution in einem Bezirk etabliert, der auf eine über hundertjährige Tradition künstlerischen Schaffens zurückblicken kann. Inhaber und Gründer Andreas Herrmann entschied sich damals ganz bewusst für diesen Standort im Schöneberger Kunstquartier, eine Wahl, der in den folgenden Jahren zahlreiche weitere Galerien folgen sollten. Das Besondere an diesem Ort ist die Verbindung aus historisch gewachsener Kiezstruktur und einer modernen, innovativen Kunstszene, die den Raum als Experimentierfeld begreift. Die Künstler, die von der mianki.Gallery vertreten werden, lassen sich nicht in einfache Kategorien pressen. Sie eint eine enorme innovative Energie, die das Galerieprogramm kontinuierlich vorantreibt und immer wieder neue visuelle Reize setzt.
Die Eroberung der dritten Dimension
Ein zentrales Element, das die verschiedenen künstlerischen Positionen der Galerie miteinander verbindet, ist ihre spezifische Annäherung an den Raum. In der mianki.Gallery bleibt die Kunst selten zweidimensional an der Wand verhaftet. Vielmehr bricht sie aus dem klassischen Rahmen aus, treibt förmlich von der Wand ab und zieht in den Raum hinein. Dieses Spiel mit der Tiefe dient vor allem dazu, das Licht zu lenken, es einzufangen und faszinierende Illusionen in den Showroom zu werfen. Die Künstler nutzen den Raum nicht nur als Ausstellungsfläche, sondern als aktiven Bestandteil ihres Werks. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Skulptur, Installation und Malerei, was beim Betrachter oft zu einer angenehmen Irritation führt.
Das Licht fungiert hierbei als unsichtbares Werkzeug. Durch die gezielte Platzierung der Objekte entstehen Schattenwürfe und Reflexionen, die den Raum ständig verändern, je nachdem, aus welchem Winkel man ein Werk betrachtet. Die Galerie wird so zu einem Ort der optischen Phänomene, an dem die Realität durch die Kunst erweitert wird.
Die Sprache der außergewöhnlichen Materialien
Die Auswahl der Materialien spielt eine entscheidende Rolle bei der Inszenierung des Raumes innerhalb der mianki.Gallery. Die Künstler greifen auf Stoffe zurück, die man im ersten Moment vielleicht nicht im Kontext der zeitgenössischen Kunst vermuten würde. Beton, Stein, Porzellan und Seide werden so bearbeitet, dass sie ihre ursprüngliche Charakteristik teilweise verlieren oder in einen spannungsreichen Kontrast zu ihrer Umgebung treten. Das Ziel ist es, dem Betrachter zu ermöglichen, den Raum oder das Objekt in einer völlig einzigartigen Sichtweise wahrzunehmen.
Beton kann plötzlich leicht wirken, während Seide eine ungeahnte architektonische Schwere entwickelt. Durch diese Materialverschiebungen entstehen ungewöhnliche Spiele mit dem Raum, die den Blick des Besuchers in die Tiefe und in die Komplexität der Arbeit führen. Die Künstler kondensieren diese Materialien auf Oberflächen und setzen dabei oft traditionelle Techniken ein, wenden diese jedoch auf eine konsequent zeitgenössische Weise an.
Illusion und die Transformation traditioneller Techniken
Ein faszinierender Aspekt im Programm der mianki.Gallery ist die Art und Weise, wie klassische Gattungen wie Malerei, Skulptur, Zeichnung und Fotografie transformiert werden. Zeichnungen werden beispielsweise dreidimensional und verlassen die Fläche des Papiers. Ein scheinbar locker in den Raum geworfener Handschuh entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine sorgfältig geschmiedete keramische Skulptur. Diese Spiele mit Illusion und Reflexion fordern die Wahrnehmung des Betrachters heraus. Die mianki.Gallery setzt hierbei auf Künstler und Künstlerinnen einer neuen Generation, die keine Berührungsängste gegenüber traditionellem Handwerk haben, dieses aber radikal neu interpretieren.
Ein eigenständiges Profil in der Berliner Kunstlandschaft
Durch die konsequente Fokussierung auf außergewöhnliche Materialien und deren räumliche Wirkung hat die mianki.Gallery ein sehr eigenständiges Profil innerhalb der Berliner Kunstszene gewonnen. Aktuell vertritt die Galerie eine Reihe namhafter Künstler, deren Arbeiten diesen besonderen Ansatz widerspiegeln. Dazu gehören unter anderem HALFA, Silke Katharina Hahn, Tina Heuter, Jakob Kupfer und Claudia Kallscheuer. Auch die Positionen von Anna Matola, Katharina Schnitzler, Ev Pommer, Constanze Vogt und Michael Schuster tragen maßgeblich zum vielschichtigen Erscheinungsbild der Galerie bei.
In einer Welt, die zunehmend von digitalen und flüchtigen Bildern geprägt ist, setzt die mianki.Gallery einen bewussten Gegenakzent. Die physische Präsenz der Materialien und die Unmittelbarkeit der räumlichen Erfahrung fordern eine langsame und intensive Auseinandersetzung. Wer die Räumlichkeiten in Schöneberg betritt, begibt sich auf eine Reise durch Licht und Schatten, durch die Härte des Betons und die Zartheit der Seide. Andreas Herrmann hat mit seiner Galerie einen Raum geschaffen, in dem die Materialität der Welt in ihrer ganzen Schönheit und Komplexität gefeiert wird.
mianki.Gallery
Kalckreuthstraße 15, 10777 Berlin-Schöneberg
Telefon: +49 30 364 327 08
Öffnungszeiten: Di–Fr 15–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr und nach Vereinbarung
E-Mail: info@mianki.com
Webseite: mianki.com
Signum Sine Tinnitu stellt in dieser Serie die wichtigsten Galerien in Berlin vor. Als unabhängige Plattform für zeitgenössische Kunst zeigen wir in unseren eigenen Ausstellungen Positionen, die die Materialität der Welt in ihrer ganzen Schönheit und Komplexität feiern.