Galerie Poll für zeitgenössische Kunst in Berlin Mitte

Galerie Poll und die Tradition des kritischen Realismus in Berlin

Die Galerie Poll wurde im Jahr neunzehnhundertachtundsechzig von Lothar C Poll und Eva Poll in West Berlin gegründet und markiert seither einen der beständigsten Pfeiler für zeitgenössische Kunst in der deutschen Hauptstadt. Seit Beginn der sechziger Jahre liegt der Programmschwerpunkt konsequent auf der figurativen und realistischen Kunst der Gegenwart. In den Ausstellungsräumen stehen vor allem die Gattungen Malerei und Skulptur im Vordergrund wobei die Galerie ebenso ein wichtiges Forum für Zeichnung und Fotografie bildet. Die Entstehung der Galerie ist eng mit dem besonderen kulturellen Klima verknüpft das West Berlin nach dem Bau der Mauer im Jahr neunzehnhunderteinundsechzig prägte. Durch staatliche Subventionen unterstützt entwickelte sich die Stadt zu einem Anziehungspunkt für Kunstschaffende aus der ganzen Welt die von der spezifischen Insellage und der kreativen Freiheit angezogen wurden. Lothar C Poll und Eva Poll siedelten im Jahr neunzehnhundertdreiundsechzig nach West Berlin über wo Lothar C Poll ab neunzehnhundertsechsundsechzig als ehrenamtlicher Geschäftsführer der Künstlergenossenschaft Großgörschen 35 agierte.

Von der Künstlergenossenschaft zur institutionellen Galerie

Die Gründung der Galerie Poll war das direkte Ergebnis von internen Differenzen innerhalb der Gruppe Großgörschen 35. Meinungsverschiedenheiten über die künstlerische Ausrichtung führten im Jahr neunzehnhundertachtundsechzig zur Auflösung dieser Gemeinschaft wobei sich die Mitglieder in expressive Maler und kritische Realisten aufspalteten. Aus dieser Zäsur heraus übernahm Eva Poll die Nachfolge der Ausstellungsgemeinschaft und versammelte eine junge Gruppe von Künstlern um sich die sich dezidiert dem Realismus verpflichtet fühlten. Am achten Oktober neunzehnhundertachtundsechzig eröffnete die Galerie Poll ihre ersten Räumlichkeiten in einer Altbauwohnung in der Charlottenburger Niebuhrstraße siebenundsiebzig. Dieser Schritt markierte den Beginn einer jahrzehntelangen Arbeit die den kritischen Realismus als eine zentrale Strömung der Berliner Nachkriegskunst im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankerte. Die Galerie wurde schnell zu einem Ort an dem gesellschaftlich relevante Themen durch die Linse einer präzisen figürlichen Darstellung verhandelt wurden.

Räumliche Stationen und das heutige Schaulager in Mitte

Im Laufe der Jahrzehnte wechselte die Galerie Poll mehrfach ihren Standort und spiegelte damit die städtebauliche und kulturelle Dynamik Berlins wider. Nach den Anfängen in Charlottenburg zog die Galerie im Jahr neunzehnhunderteinundsiebzig an den Kurfürstendamm einhundertfünfundachtzig um. Eine besonders prägende Ära markierte die Zeit zwischen neunzehnhundertneunundsiebzig und zweitausendneun am Lützowplatz sieben. Im Anschluss an diese Phase wurde die Galerie von zweitausendneun bis zum Sommer zweitausendfünfzehn in der Anna Louisa Karsch Straße neun betrieben bevor sie schließlich an ihren heutigen Standort in der Gipsstraße drei in Berlin Mitte umzog. Der aktuelle Sitz bietet zusammen mit einem großzügigen Schaulager eine Ausstellungsfläche von insgesamt dreihundertfünfzig Quadratmetern. Diese räumliche Kapazität erlaubt es sowohl großformatige Werke adäquat zu präsentieren als auch einen umfassenden Einblick in die Bestände der Galerie zu gewähren die über fünf Jahrzehnte hinweg gewachsen sind.

Das künstlerische Profil zwischen Figuration und Fotografie

Das Programm der Galerie Poll zeichnet sich durch eine beeindruckende Kontinuität und eine hohe personelle Beständigkeit aus. Neben den Künstlern der ersten Stunde wie Bettina von Arnim oder Hermann Albert werden auch Positionen von Ulrich Baehr und Herbert Kaufmann regelmäßig gezeigt. Besonders die Werke von Harald Duwe und Maina Miriam Munsky sowie Peter Sorge und Wolfgang Petrick haben das Profil der Galerie als Zentrum des kritischen Realismus geschärft. Diese Tradition wird durch Maler wie Maxim Kantor und Peter Herrmann sowie Ralf Kerbach und Volker Stelzmann fortgeführt. Auch die Bildhauerei nimmt mit Namen wie Waldemar Grzimek oder Joachim Schmettau einen zentralen Platz ein. Die Erweiterung des Spektrums um die Fotografie durch Künstler wie Gundula Schulze Eldowy und die Einbindung feinsinniger Zeichner wie Matthias Beckmann unterstreicht den Anspruch der Galerie die Wirklichkeit in all ihren medialen Facetten zu erforschen. Jede Position im Programm trägt dazu bei die Grenzen der realistischen Darstellung immer wieder neu auszuloten und zeitgenössisch zu interpretieren.

Publikationen und die Bewahrung des kunsthistorischen Archivs

Ein wesentliches Merkmal der Galerie Poll ist die intensive editorische Tätigkeit im eigenen Verlag. Begleitend zu den Ausstellungen werden Werkverzeichnisse und Kataloge herausgegeben die eine wissenschaftliche Aufarbeitung der gezeigten Kunst ermöglichen. Besonders die POLLeditionen in Form von Lesebüchern sowie die Herausgabe zahlreicher Originalgrafiken seit den sechziger Jahren zeugen von einem tiefen Verständnis für die Vermittlung von Kunst als kulturelles Erbe. Als Mitglied im Landesverband Berliner Galerien und im Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler setzt sich die Galerie zudem aktiv für die Belange des Berufsstandes ein. Die historische Bedeutung der Galerie wird zusätzlich dadurch unterstrichen dass sich seit zweitausendneun ein wesentlicher Teil des umfangreichen Galeriearchivs im Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels befindet. Damit wird sichergestellt dass die Dokumentation der Westberliner Kunstszene und die Entwicklung des kritischen Realismus für die kunstgeschichtliche Forschung dauerhaft zugänglich bleiben.

Galerie Poll

Gipsstraße 3, 10119 Berlin
Telefon: +49 30 261 7091
Öffnungszeiten: Di – Sa; 12 – 18 Uhr und nach Vereinbarung
E-Mail: galerie@poll-berlin.de
Webseite: http://www.poll-berlin.de