Mark Alexander und die obsessive Meisterschaft der Entschleunigung in der zeitgenössischen Malerei

In der heute oft von Geschwindigkeit und massenhafter Produktion geprägten Kunstwelt stellt der im Jahr 1966 in der beschaulichen Stadt Horsham in West Sussex geborene Mark Alexander eine faszinierende Ausnahmeerscheinung dar. Er ist ein Künstler der die Zeit nicht als Feind sondern als notwendiges Material begreift und dessen Werk durch eine fast schon anachronistische Hingabe an das Detail besticht. Mark Alexander ist kein Maler der bereits im Kindesalter mit dem Pinsel in der Hand die Welt erklärte. Vielmehr entwickelte sich seine Leidenschaft für die Malerei erst vergleichsweise spät in seinen frühen Zwanzigern. Dieser Umstand verlieh seinem Schaffen von Beginn an eine Reife und eine Ernsthaftigkeit die man bei frühreifen Talenten oft vermisst. In einer Ära in der das Digitale das Analoge zu verdrängen droht setzt Alexander auf die physische Präsenz der Farbe und die langsame Konstruktion des Bildes.

Der Weg des Autodidakten zur akademischen Exzellenz in Oxford

Die Biografie von Mark Alexander ist geprägt von einer tiefen Eigenständigkeit die sich auch in seiner Ausbildung widerspiegelt. Er studierte die Techniken der alten Meister und die Theorien der Moderne zunächst auf eigene Faust was ihm eine Unabhängigkeit des Denkens bewahrte die in standardisierten Lehrplänen oft verloren geht. Dennoch verspürte er das Bedürfnis seine praktischen Erfahrungen theoretisch zu untermauern und so absolvierte er im Jahr 1996 im Alter von dreißig Jahren seinen BFA-Abschluss an der Universität Oxford. Diese Verbindung aus autodidaktischer Freiheit und akademischer Strenge macht den besonderen Reiz seines Werkes aus.

Meilensteine einer globalen Karriere zwischen London und Basel

Der internationale Aufstieg von Mark Alexander vollzog sich mit einer Konsequenz die seiner malerischen Präzision in nichts nachsteht. Seine erste bedeutende Einzelausstellung fand im Jahr 1998 in der Anthony Reynolds Gallery in London statt. Unter dem Titel Black präsentierte er Arbeiten die bereits seine Vorliebe für die Reduktion und die Erforschung von Licht und Schatten zeigten. Bereits im Jahr 2002 folgte seine erste große Präsentation im Ausland unter dem Titel Malerei in Bewegung in der Kunsthalle Basel. Auch Glenn Brown hat die Kunst der alten Meister ins Zentrum einer zeitgenössischen Malpraxis gestellt und Bilder von Rembrandt und Van Gogh so lange transformiert bis sie in einen neuen Dialog mit der Gegenwart treten doch während Brown das Vorgefundene durch radikale Farbverschiebungen und spiegelglatte Oberflächen in grotesk-schöne Chimären verwandelt und den Akt der Aneignung selbst zum Thema macht arbeitet Alexander in die entgegengesetzte Richtung: Er baut seine Bilder über Monate hinweg in geduldigen Farbschichten auf und sucht nicht die Verfremdung sondern die Vertiefung des Originals bis seine Neuinterpretation eine Tiefe und Leuchtkraft erreicht die dem Vorbild eine bisher verborgene Dimension abgewinnt. Zwischen 1998 und 2018 realisierte er über dreißig Ausstellungen weltweit.

Technischer Perfektionismus und die Symbiose der Epochen

Der Stil von Mark Alexander zeichnet sich durch eine Pinselführung aus die in ihrer Sorgfalt und Akribie fast schon an religiöse Rituale erinnert. Ob er das berühmte Van-Gogh-Porträt das durch den Arzt Paul Gachet überliefert wurde neu interpretiert oder sich den verfallenen Heiligenstatuen im New College in Oxford widmet immer geht es ihm um eine Verschmelzung der Zeiten. Auch Gerhard Richter hat die Grenze zwischen Fotografie und Malerei zum zentralen Thema eines lebenslangen Werks gemacht und in seinen Übermalungen gezeigt dass das Bild immer ein Spannungsfeld zwischen Abbildung und Abstraktion ist doch während Richter durch die berühmte Unschärfe seines Rakels den Gegenstand im Nebel der Übermalung verschwinden lässt und die Malerei zur Meditation über die Unmöglichkeit des Sehens wird schärft Alexander seine Bilder bis zur äußersten Präzision und verschmilzt Elemente des Klassizismus mit der Ästhetik der Fotografie und dem modernen Fotorealismus zu einer zeitlosen Qualität die nichts verwischen sondern alles klären will. Seine Maltechnik ist dabei so extrem arbeitsintensiv dass es oft viele Monate dauert bis ein einziges Werk fertiggestellt ist.

Wahnsinnige Akribie und die Ökonomie der Seltenheit

Die geringe Anzahl an Werken die Mark Alexander in seiner Karriere geschaffen hat ist ein häufiges Thema der Kunstkritik. Seit dem Beginn seiner Laufbahn im Jahr 1993 sind lediglich 22 Gemälde entstanden. Diese Zahl mag auf den ersten Blick gering erscheinen doch sie ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung für die absolute Qualität. Jedes dieser 22 Bilder ist ein monumentales Zeugnis seiner künstlerischen Überzeugung. Für Sammler macht gerade diese Seltenheit den Reiz seiner Arbeiten aus. Er weigert sich den Gesetzen der Massenproduktion zu folgen und bleibt sich selbst treu auch wenn dies bedeutet dass die Welt lange auf ein neues Bild von ihm warten muss.

Mark Alexander als Bewahrer der malerischen Integrität

Mark Alexander begreift die Malerei als einen Ort des Widerstands gegen die Oberflächlichkeit. Er hat bewiesen dass man als Autodidakt die höchsten akademischen Weihen erreichen kann und dass man mit einer geringen Anzahl an Werken einen globalen Einfluss ausüben kann. Sein Werk ist eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart und erinnert uns daran dass die großen Themen der Menschheit in jeder Epoche neu verhandelt werden müssen. Ob durch seine akribischen Pinselstriche oder seine scharfsinnigen literarischen Analysen — Mark Alexander fordert uns auf genau hinzusehen und die Komplexität unserer Kultur zu würdigen. Er bleibt der stille Perfektionist aus Horsham der die Welt durch die Linse der Entschleunigung betrachtet und uns damit eine neue Perspektive auf die Schönheit und den Schrecken der Geschichte eröffnet.

Mehr Informationen unter: https://www.marcalexanderart.com

Signum Sine Tinnitu stellt in dieser Serie die einflussreichsten zeitgenössischen Künstler vor. Als unabhängige Plattform für zeitgenössische Kunst zeigen wir in unseren eigenen Ausstellungen in Berlin Positionen, die die Kraft der Entschleunigung und die Meisterschaft des Details feiern — von Faces III bis Light with no Sound.