David Zwirner - einer der wichtigsten Künstler unserer Zeit

David Zwirner und die Konstruktion der globalen Kunstmacht zwischen Jazz und Minimalismus

Die Geschichte der zeitgenössischen Kunstwelt im einundzwanzigsten Jahrhundert ließe sich kaum ohne den massiven Einfluss von David Zwirner erzählen der heute als einer der mächtigsten und klügsten Galeristen des Planeten gilt. Geboren wurde er im Jahr eintausendneunhundertvierundsechzig in der rheinischen Metropole Köln einer Stadt die bereits damals durch die visionäre Arbeit seines Vaters Rudolf Zwirner zu einem Zentrum des internationalen Kunsthandels geworden war. Doch wer glaubt dass der Weg des Sohnes in die glitzernden Hallen der Megagalerien vorgezeichnet war der irrt gewaltig. David Zwirner ist ein Mann der seine Identität zunächst in der radikalen Abkehr von der elterlichen Tradition suchte. Während sein Vater als einer der wichtigsten Galeristen der Nachkriegszeit die Szene prägte und als Gründer der Art Cologne Geschichte schrieb blieb die Kunst im Hause Zwirner bemerkenswerterweise oft ein Thema des Schweigens. Rudolf Zwirner erinnerte sich später daran dass man am heimischen Esstisch kaum über Kunst sprach was dem jungen David den Raum gab eine ganz eigene Leidenschaft zu entwickeln. Ihn zog es mit einer fast schon obsessiven Energie zur Musik insbesondere zum Rhythmus und zur Struktur des Jazz. Er spielte Schlagzeug mit einer Hingabe die ihn schließlich über den Atlantik an die Universität in New York führte wo er sich ganz dem Studium des Jazz widmete. Diese musikalische Sozialisation ist bis heute in seinem Auftreten spürbar denn Zwirner besitzt das Taktgefühl eines Drummers und die Fähigkeit komplexe Themen wie eine Improvisation zu führen ohne dabei den Grundrhythmus des Marktes zu verlieren.

Die Genese eines Megagaleristen im Schatten des Vaters

Erst spät und beinahe zögerlich kehrte David Zwirner auf Anraten seines Vaters in den Schoß der bildenden Kunst zurück doch er tat dies zu seinen ganz eigenen Bedingungen. Er wollte nicht das Erbe in Köln verwalten sondern suchte die Herausforderung in der härtesten Arena der Welt in New York City. Im Jahr eintausendneunhundertdreiundneunzig gründete er dort seine erste eigene Galerie und bewies dabei einen Mut der fast schon an Tollkühnheit grenzte. Seine erste Ausstellung widmete er dem österreichischen Künstler Franz West der für seine provokanten und oft sperrigen Skulpturen bekannt war. Das Projekt endete in einem wirtschaftlichen Desaster da kein einziges Exponat verkauft wurde und die New Yorker Sammlerwelt mit der radikalen Ästhetik von West zunächst wenig anfangen konnte. Doch anstatt sich durch diesen Misserfolg entmutigen zu lassen zeigte Zwirner eine Resilienz die ihn heute auszeichnet. Bereits seine zweite Ausstellung mit dem kanadischen Künstler Stan Douglas wurde zu einem durchschlagenden Erfolg bei dem jedes einzelne Werk einen Käufer fand. Dieser frühe Wechsel zwischen tiefem Fall und hohem Aufstieg schärfte seinen Instinkt für das was in der Kunst wirklich zählt: die Relevanz der Idee und die Kraft des Konzepts. Zwirner nimmt bevorzugt Künstler in sein Programm auf deren Werke Fragen stellen und die den Betrachter herausfordern über die Oberfläche hinaus zu blicken. Diese Suche nach der Intention und der geistigen Tiefe hat ihn zu einem Akteur gemacht der sich deutlich von der oft oberflächlichen Konkurrenz abhebt.

Die architektonische Stille und die Macht des Minimalismus

Ein Markenzeichen der Galerien von David Zwirner ist ihr radikaler Minimalismus der in einer Zeit der visuellen Reizüberflutung wie ein heilender Rückzugsort wirkt. Während viele andere Galerien versuchen durch spektakuläre Architektur oder laute Inszenierungen Aufmerksamkeit zu erregen setzt Zwirner auf die Perfektion des White Cube. Seine Räume in New York in London und seit dem Jahr zweitausendachtzehn auch in Hongkong sind Kathedralen des Lichts und der Konzentration. Diese ästhetische Strenge ist kein Zufall sondern Ausdruck seiner Überzeugung dass die Kunst den Raum braucht um für sich selbst zu sprechen. Er arbeitet oft mit renommierten Architekten wie Annabelle Selldorf zusammen um Umgebungen zu schaffen in denen jedes Detail darauf ausgerichtet ist die Wahrnehmung des Kunstwerks zu schärfen. Heute vertritt er mehr als siebzig international bekannte Künstler und Nachlässe wobei er eine beeindruckende Balance zwischen den großen Namen der Moderne und den radikalen Positionen der Gegenwart hält. Sein Portfolio umfasst Größen wie Yayoi Kusama deren Punkte und Spiegelräume weltweit für Furore sorgen ebenso wie die Nachlässe von Diane Arbus oder Donald Judd. Zwirner versteht es das Erbe dieser Künstler mit einer Professionalität zu verwalten die ihm das Vertrauen der wichtigsten Sammler und Museen der Welt eingebracht hat. Sein Jahresumsatz bewegt sich heute im oberen dreistelligen Millionenbereich was ihn zu einem wirtschaftlichen Schwergewicht macht das dennoch den Anspruch einer inhaltlich getriebenen Galerie verteidigt.

Die Inflation der Kunstpreise und die neue Kennerschaft im Osten

David Zwirner ist ein scharfer Beobachter der ökonomischen Verschiebungen auf dem Kunstmarkt und äußert sich immer wieder kritisch über die teilweise absurden Summen die heute für Spitzenwerke gezahlt werden. In Gesprächen mit der Presse gibt er sich oft überrascht über den unermesslichen Reichtum mancher Kunden und betont dass die Preise in manchen Segmenten des Marktes eine gefährliche Eigendynamik entwickelt haben. Er sorgt sich darum dass die Kunst für viele Sammler nur noch als eine Form von Prestigeobjekt oder als Anlageklasse dient während die eigentliche Fachkenntnis und die Leidenschaft für die Kunstgeschichte auf der Strecke bleiben. Besonders bei manchen elitären Kreisen im Westen vermisst er bisweilen die notwendige intellektuelle Durchdringung der Werke. Ganz anders stellt sich die Situation für ihn im asiatischen Raum dar. Zwirner lobt die junge Generation asiatischer Sammler die sich mit einer unglaublichen Akribie in die Materie einarbeitet. Diese neuen Käuferschichten kennen oft jedes Detail der Biografie eines Künstlers und verstehen die stilistischen Nuancen der verschiedenen Schaffensphasen besser als viele ihrer westlichen Gegenstücke. Diese Beobachtung war einer der Hauptgründe für seine Expansion nach Hongkong wo er einen Markt vorfand der nicht nur kapitalstark sondern auch hungrig nach Wissen und Bildung ist. Zwirner sieht sich dort nicht nur als Verkäufer sondern als Vermittler einer globalen Kunstsprache die im Osten auf einen fruchtbaren Boden fällt.

Die gelassene Rivalität mit dem Imperium von Gagosian

In der Hierarchie der internationalen Galeristen wird David Zwirner oft als der direkte Herausforderer von Larry Gagosian gesehen dem anderen großen Megagaleristen unserer Zeit. Experten spekulieren regelmäßig darüber ob der gebürtige Kölner langfristig die neue Nummer eins der Szene werden könnte. Doch Zwirner selbst begegnet dieser Rivalität mit einer betonten Gelassenheit die vielleicht seinem rheinischen Erbe oder seiner Coolness als Jazzmusiker geschuldet ist. Er betont immer wieder seinen Respekt vor der Arbeit von Gagosian und erklärt dass er morgens nicht mit dem Gedanken aufwacht ein anderes Imperium niederreißen zu müssen. Er spricht auch nach Jahrzehnten in New York immer noch mit einem leichten deutschen Akzent der ihm eine gewisse Authentizität und Erdung verleiht. Während Gagosian oft als der aggressive Hai des Marktes porträtiert wird wirkt Zwirner eher wie der besonnene Dirigent eines hochkomplexen Orchesters. Er setzt auf langfristige Beziehungen zu seinen Künstlern und eine nachhaltige Pflege seiner Standorte. Die Eröffnung neuer Dependancen wie jener in Paris im Jahr zweitausendneunzehn folgte einer logischen Expansion die stets die inhaltliche Qualität im Auge behielt. Für Zwirner ist die Größe seiner Galerie kein Selbstzweck sondern ein Mittel um seinen Künstlern die bestmögliche Plattform auf globaler Ebene zu bieten.

Die Zukunft der Galerie im digitalen Zeitalter des Jahres zweitausendsechsundzwanzig

Heute im Jahr zweitausendsechsundzwanzig hat David Zwirner seine Position weiter gefestigt indem er die Chancen der Digitalisierung konsequent genutzt hat ohne die physische Erfahrung der Kunst aufzugeben. Er war einer der ersten Galeristen der das Potenzial von Online Viewing Rooms erkannte und diese zu einem hochprofessionellen Instrument der Vermittlung ausbaute. Sein Verlagshaus Zwirner Books produziert zudem Publikationen die in ihrer Qualität oft museale Kataloge übertreffen und die den intellektuellen Anspruch der Galerie unterstreichen. Zwirner begreift seine Galerie als ein multimediales Unternehmen das Wissen generiert und Geschichten erzählt. Er hat verstanden dass man im heutigen Wettbewerb nicht nur Bilder an Wände hängen darf sondern dass man den Künstlern eine Stimme in der digitalen Öffentlichkeit geben muss. Trotz des gewaltigen Wachstums ist er im Kern der neugierige Junge geblieben der die Kunst durch die Linse der Frage betrachtet. Er bleibt der Architekt der Stille der uns in seinen Galerien daran erinnert dass die wahre Macht der Kunst in ihrer Fähigkeit liegt uns zum Innehalten zu zwingen. David Zwirner hat das Erbe seines Vaters nicht einfach nur übernommen sondern er hat es in eine neue globale Dimension transformiert die die Kunstwelt nachhaltig verändert hat. Sein Weg von den Jazzkellern New Yorks bis zur Spitze des Weltkunstmarktes ist eine Erfolgsgeschichte der Leidenschaft und der strategischen Klugheit die zeigt dass man auch in einem harten Geschäft seine Ideale bewahren kann.

Sein Blick auf die Welt ist geprägt von einer Mischung aus europäischer Skepsis und amerikanischem Optimismus was ihn zu einem idealen Vermittler zwischen den Kulturen macht. Er weiß dass die Kunstwelt sich ständig wandelt und er ist bereit diesen Wandel aktiv mitzugestalten ohne dabei die Wurzeln zu vergessen die ihn einst im Rheinland geprägt haben. Zwirner bleibt die Instanz an der sich alle messen lassen müssen die in der obersten Liga des Kunsthandels mitspielen wollen. Er zeigt uns dass man mit Taktgefühl und einer klaren Vision ein Imperium schaffen kann das nicht auf Unterdrückung sondern auf Respekt vor der Schöpfung basiert. In einer Zeit der Beliebigkeit steht der Name David Zwirner für eine Qualität die keine Kompromisse kennt und die uns immer wieder aufs Neue herausfordert genau hinzusehen. Die Musik des Jazz mag in seinem Berufsalltag leiser geworden sein doch der Rhythmus seines Erfolgs ist in jeder seiner Galerien weltweit unüberhörbar. Wir dürfen gespannt sein welche neuen Räume er in den kommenden Jahren für uns öffnen wird und welche Fragen er uns durch die Kunst seiner Schützlinge als nächstes stellen lässt.

Mehr Informationen unter: https://www.davidzwirner.com/25years

Signums sine Tinnitu stellt in dieser Serie die einflussreichsten Künstler unserer Zeit vor. Als Galerie für zeitgenössische Kunst fördern und publizieren wir Künstler aus allen Bereichen modernen Schaffens.