In der oft schrillen und von kurzlebigen Trends getriebenen Welt des internationalen Kunsthandels gibt es nur wenige Akteure die eine so unerschütterliche Integrität und einen so präzisen Blick für inhaltliche Tiefe besitzen wie Daniel Buchholz. Der im Jahr 1964 in Chicago geborene und in der rheinischen Kunstmetropole Köln sozialisierte Galerist hat ein Imperium des Eigensinns geschaffen das sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht. Seine Galerie Buchholz die er im Jahr 1986 in Köln gründete ist heute eine globale Institution mit Dependancen in Berlin und New York doch sie hat sich den Geist eines intellektuellen Startups bewahrt. Buchholz ist kein Marktschreier des Kommerzes sondern ein feinsinniger Vermittler der die Kunst als eine Form des Wissens und der Erkenntnis begreift.
Die Genese eines Buchhändlers: Von den Lagerräumen zur Weltbühne
Der berufliche Ursprung von Daniel Buchholz liegt bezeichnenderweise im Buchhandel was seine tiefe Affinität zur Literatur und zum gedruckten Wort erklärt. Seine Karriere als Galerist begann im Jahr 1985 in einer Zeit als Köln das unbestrittene Zentrum der zeitgenössischen Kunst in Europa war. In den ehemaligen Lagerräumen der Kunsthändler-Legende Rudolf Zwirner organisierte Buchholz seine ersten Ausstellungen mit Künstlern wie John M Armleder und Brian Eno. 1986 bezog er schließlich seine eigenen umgebauten Räume. Es folgten wegweisende Schauen die heute als Meilensteine der Kölner Kunstgeschichte gelten etwa die Präsentation des grafischen Werks von Blinky Palermo und Sigmar Polke oder die Auseinandersetzung mit dem Thema der Multiples im Jahr 1987.
Isa Genzken und Wolfgang Tillmans: Die Konstruktion von Legenden auf kleinstem Raum
Zwei Namen sind untrennbar mit dem Aufstieg und der Identität der Galerie Buchholz verbunden: Isa Genzken und Wolfgang Tillmans. Die Zusammenarbeit mit der Kunstikone Isa Genzken begann im Jahr 1987 und hat sich über die Jahrzehnte zu einer der stabilsten und fruchtbarsten Partnerschaften im Kunstbetrieb entwickelt. Ebenso legendär ist die Beziehung zu Wolfgang Tillmans dessen erste Einzelausstellung im Jahr 1993 in der Galerie stattfand. Damals bespielte die Galerie lediglich einen winzigen Raum von neun Quadratmetern doch die Wucht der fotografischen Arbeiten von Tillmans sprengte bereits damals jede räumliche Begrenzung. Buchholz hatte den jungen Fotografen auf einer Party der Zeitschrift i-D kennengelernt und sofort dessen Potenzial erkannt die Fotografie aus ihrer dokumentarischen Enge zu befreien und als ein raumgreifendes künstlerisches Medium zu etablieren. Dass Tillmans heute einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler der Welt ist dessen Werke in den großen Museen von London bis New York hängen ist zu einem wesentlichen Teil dem frühen Vertrauen durch Daniel Buchholz zu verdanken.
Die Geografie der Eigensinnigkeit: Warum die Upper East Side und nicht Kreuzberg
Die Wahl der Standorte der Galerie Buchholz ist ein deutliches Statement gegen den Herdentrieb des Kunstmarktes. Während die meisten Galerien in Berlin in die hippen Viertel Mitte oder Kreuzberg zogen entschied sich Buchholz im Jahr 2008 für die Fasanenstraße in Charlottenburg. In dieser betuchten Gegend die eher für ihre bürgerliche Eleganz als für radikale Zeitgenossenschaft bekannt ist schuf er einen Ort der Konzentration. Ähnlich konsequent war der Schritt nach New York im Jahr 2015. Anstatt sich in Chelsea oder der Lower East Side niederzulassen wählten Buchholz und sein Partner Christopher Müller einen kleinen Ausstellungsraum in der East 82nd Street in der Upper East Side. Diese geografische Unabhängigkeit unterstreicht seinen Status als ein Akteur der Trends setzt anstatt ihnen hinterherzulaufen.
Kontraste als Programm: Von Kryptowährungen zu Raymond Roussel
Die Galerie Buchholz betreut derzeit etwa fünfzig Künstler wobei das Programm durch faszinierende Gegensätze besticht. Auf der einen Seite stehen junge Positionen wie Anne Imhof die mit ihren düsteren performativen Inszenierungen die Kunstwelt erschüttert hat oder Simon Denny der sich spielerisch und kritisch mit Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie auseinandersetzt. Auf der anderen Seite pflegen Buchholz und Müller ein tiefes Interesse an historischen und literarischen Bezügen. Die Eröffnungsausstellung der New Yorker Räume im Jahr 2015 widmete sich dem Schriftsteller Raymond Roussel. Diese Spannweite zwischen digitaler Zukunft und literarischer Vergangenheit macht den besonderen Reiz der Galerie aus. Ihre Künstler sind Stammgäste auf den wichtigsten Plattformen der Weltkunst wie der Biennale von Venedig oder der Documenta in Kassel.
Das Antiquariat als Portal
Eines der charmantesten Merkmale der Galerie Buchholz in Köln ist der Zugang über das Antiquariat. Wer die Galerie besuchen möchte muss oft erst durch die Regalreihen mit seltenen Büchern und historischen Publikationen schreiten. Dieser Umweg ist kein Hindernis sondern eine Vorbereitung. Er erinnert den Besucher daran dass die Bilder an den Wänden auf einem Fundament aus Gedanken Worten und Geschichten ruhen. Daniel Buchholz hat die Rolle des Kunsthändlers im einundzwanzigsten Jahrhundert neu definiert indem er sich konsequent den Gesetzen der Massenvermarktung widersetzt. Seine Galerie ist ein Ort des Widerstands gegen die Beliebigkeit und ein Plädoyer für die Langsamkeit des Verstehens. Sein Vermächtnis liegt in der Bewahrung des Besonderen in einer Welt der Standardisierung und in der Gewissheit dass gute Kunst niemals aus der Mode kommt.
Mehr Informationen unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Galerie_Buchholz
Signum Sine Tinnitu stellt in dieser Serie die einflussreichsten Akteure der zeitgenössischen Kunstwelt vor. Als unabhängige Plattform für zeitgenössische Kunst zeigen wir in unseren eigenen Ausstellungen in Berlin Positionen, die die Verbindung von Literatur, Bildender Kunst und intellektueller Strenge feiern.
