In der Welt des internationalen Mäzenatentums gibt es Persönlichkeiten die durch ihr bloßes Kapital wirken und solche die durch ihre Visionen ganze Landschaften verändern. Maja Hoffmann die im Jahr eintausendneunhundertsechsundfünfzig geboren wurde gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Als Schweizer Kunstsammlerin Dokumentarfilmerin und Unternehmerin hat sie ein Profil entwickelt das weit über das herkömmliche Bild einer Erbin des milliardenschweren Pharmakonzerns Roche hinausgeht. Im Jahr zweitausendsechsundzwanzig blicken wir auf ein Lebenswerk das durch die Gründung der Luma Stiftung im Jahr zweitausendvier einen Fixpunkt gefunden hat. Das Ziel dieser Stiftung ist es weltweite Kulturprojekte und Kunstprojekte nicht nur ins Leben zu rufen sondern sie über Jahrzehnte hinweg als treue Gefährtin zu begleiten. Hoffmann ist keine Sammlerin die Werke in dunklen Depots verschwinden lässt; sie ist eine Produzentin von Kontexten. Ihr Netzwerk erstreckt sich über die gesamte globale Kunstszene wobei sie mit den einflussreichsten Köpfen der Branche auf Augenhöhe agiert. Mit dem berühmten Kurator Hans Ulrich Obrist dem rastlosen Marathonmann der Kunstwelt ist sie ebenso eng verbunden wie mit der ehemaligen Stedelijk Direktorin Beatrix Ruf oder dem Künstler Liam Gillick. Diese Verbindungen sind kein Selbstzweck sondern bilden das intellektuelle Rückgrat für Projekte die die Grenzen der herkömmlichen Kunstvermittlung sprengen.
Das Erbe der Familie und die Vision einer neuen Art der Philanthropie
Um das Wirken von Maja Hoffmann zu verstehen muss man einen Blick auf ihre familiären Wurzeln in Basel werfen. Die Emanuel Hoffmann Stiftung die bereits im Jahr eintausendneunhundertdreiunddreißig von ihrer Großmutter Maja Sacher gegründet wurde zählt zu den bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst weltweit. Maja Hoffmann bekleidet heute das Amt der Vizepräsidentin des Rates dieser Stiftung und trägt damit eine historische Verantwortung für ein Erbe das Künstler wie Joseph Beuys oder Bruce Nauman bereits früh förderte. Doch Hoffmann hat sich von der rein konservatorischen Rolle gelöst. Ihr Vater Lukas Hoffmann war ein Pionier des Umweltschutzes und Mitbegründer des World Wildlife Fund was erklärt warum Maja Hoffmann in ihrem Schaffen stets ökologische und soziale Fragen mit der Kunst verknüpft. Sie begreift das Mäzenatentum als eine Form der aktiven Bürgerschaft. Neben ihrer Rolle in Basel ist sie Präsidentin der Stiftung Kunsthalle Zürich und Vorstandsmitglied in Institutionen wie dem New Museum of Contemporary Art in New York. Diese globale Präsenz erlaubt es ihr Ideen zwischen den Metropolen hin und her zu bewegen wobei sie stets einen Fokus auf die lokale Wirksamkeit behält. Für sie ist Kunst ein Werkzeug um die Weltprobleme in einem geschützten aber öffentlichen Raum zu verhandeln.
Der Ruf von Arles und das Luma Projekt als soziale Plastik
Der wohl spektakulärste Ausdruck ihres Schaffens findet sich in der südfranzösischen Kleinstadt Arles. Hier ist Maja Hoffmann aufgewachsen und hier hat sie im Jahr zweitausendvierzehn den Hauptsitz ihrer Luma Stiftung angesiedelt. Arles ist für sie weit mehr als eine nostalgische Kulisse ihrer Kindheit. Es ist ein Ort der extremen Kontraste in dem historische römische Architektur auf moderne soziale Probleme trifft. Die Stadt kämpft mit einer hohen Arbeitslosigkeit und einer politischen Landschaft in der die Wähler des Front National eine starke Präsenz markieren. In diesem Spannungsfeld hat Hoffmann beschlossen ein privates Kulturprojekt von beispiellosem Ausmaß zu realisieren. Mit einer Investition von einhundertfünfzig Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen verwandelte sie den Parc des Ateliers ein ehemaliges Industriegelände der französischen Eisenbahn in eine neue Kunstmetropole. Dieser gigantische Thinktank soll Lösungen für globale Probleme entwickeln indem er Künstler Wissenschaftler und Aktivisten zusammenbringt. Hoffmann denkt hierbei in Maßstäben die manche Beobachter als pharaonisch bezeichnen was sie jedoch kaum stört da ihr Blick auf die langfristige Transformation der Region gerichtet ist. Luma Arles ist heute das größte private Kulturprojekt in Europa und ein Beweis dafür dass privates Kapital eine gesellschaftliche Hebelwirkung entfalten kann wenn es mutig eingesetzt wird.
Hans Ulrich Obrist und die intellektuelle Konstellation hinter der Stiftung
Ein Projekt von der Größe von Luma Arles entsteht nicht im Vakuum sondern ist das Ergebnis eines intensiven Dialogs mit den klügsten Köpfen der Gegenwart. Maja Hoffmann hat um sich einen sogenannten Core Group gebildet einen harten Kern von Beratern zu dem neben Hans Ulrich Obrist auch Liam Gillick Tom Eccles Philippe Parreno und Beatrix Ruf gehören. Diese Konstellation garantiert dass die Projekte der Stiftung stets am Puls der Zeit bleiben und intellektuelle Tiefe besitzen. Mit Obrist verbindet sie eine langjährige Freundschaft die auf dem gemeinsamen Glauben an die Kraft des Gesprächs und des Archivs basiert. Diese Zusammenarbeit hat dazu geführt dass die Luma Stiftung nicht nur Ausstellungen finanziert sondern auch Forschungsprojekte und Publikationen unterstützt die weltweit Beachtung finden. Durch ihre Unterstützung von Häusern wie der Serpentine Gallery in London oder dem Palais de Tokyo in Paris ist Hoffmann fest im Gefüge der internationalen Kunstwelt verankert. Sie nutzt dieses Netzwerk um Arles zu einer Station für die Weltkunst zu machen was der Stadt zu völlig neuem Glanz verholfen hat. Die Synergien die durch diesen Freundeskreis und Bekanntenkreis entstehen sind der Treibstoff für eine Institution die sich ständig selbst neu erfindet.
Architektur als Signalfeuer das Werk von Frank Gehry in der Provence
Das weithin sichtbare Symbol für den Wandel von Arles ist der Turm den der Stararchitekt Frank Gehry für die Luma Stiftung entworfen hat. Dieses Gebäude das mit seinen reflektierenden Edelstahlpaneelen an die Felsformationen der Alpillen erinnert ragt über die Dächer der Stadt hinaus und bildet einen bewussten Kontrast zum antiken Erbe von Arles. Für Maja Hoffmann ist Architektur ein notwendiges Signal um Aufbruch und Veränderung zu markieren. Der Turm beherbergt Ausstellungsräume Bibliotheken und Ateliers und ist das Herzstück des Parc des Ateliers. Doch es geht Hoffmann nicht nur um die spektakuläre Geste. Die Renovierung der bestehenden Industriehallen durch die Architektin Annabelle Selldorf zeigt ihr Gespür für das Bewahren und das nachhaltige Bauen. Das gesamte Gelände ist als ein ökologisches Labor konzipiert in dem neue Materialien aus lokalen Ressourcen wie Salz aus der Camargue oder Sonnenblumenstielen entwickelt werden. Hier zeigt sich die Verbindung zu den Umweltprojekten ihres Vaters. Die Architektur dient als Hülle für Prozesse die weit über das Zeigen von Bildern hinausgehen. Es ist ein Ort der Produktion an dem die Zukunft der Stadt und der Gesellschaft verhandelt wird.
Die Kunst als Katalysator gegen den Stillstand und politische Extreme
Maja Hoffmann ist sich der politischen Verantwortung ihres Handelns in Südfrankenreich sehr wohl bewusst. In einer Gegend die durch wirtschaftlichen Strukturwandel und soziale Spannungen geprägt ist setzt sie auf die Kultur als Integrationskraft. Sie beobachtet genau welche Auswirkungen die Ansiedlung einer solchen Institution auf eine Stadt wie Arles hat. Ihr Ziel ist es der Resignation entgegenzuwirken und neue Perspektiven für die Bewohner zu schaffen. Dass das jährlich stattfindende Fotofestival Les Rencontres de la Photographie d Arles bereits über einhunderttausend Besucher anzieht war für sie ein klares Signal für das Potenzial der Stadt. Mit Luma hat sie eine ganzjährige Infrastruktur geschaffen die Arbeitsplätze generiert und Arles für ein internationales Publikum attraktiv macht. Die Kunst fungiert hier als neutraler Boden auf dem Begegnungen zwischen verschiedenen sozialen Schichten stattfinden können. Hoffmann geht es darum lokal das Leben zu verbessern aber dabei Ideen zu liefern die eine globale Relevanz besitzen. Sie möchte zeigen dass Kultur kein Luxusgut für Wenige ist sondern eine lebensnotwendige Ressource für eine funktionierende Demokratie.
Multitasking und internationale Präsenz zwischen New York und Zürich
Neben dem monumentalen Projekt in Arles ist Maja Hoffmann in zahlreichen anderen Rollen aktiv was sie zu einer wahren Multitasking Lady der Kulturwelt macht. Sie ist eine gefragte Dokumentarfilmerin die Projekte über bedeutende Künstler und kulturelle Phänomene unterstützt und produziert. Ihr Engagement am Bard College Center für kuratorische Studien zeigt ihr Interesse an der Ausbildung der nächsten Generation von Kulturvermittlern. In New York bringt sie als Vorstandsmitglied des New Museum ihre europäische Perspektive in den amerikanischen Diskurs ein. Überall wo sie auftritt setzt sie sich für die Freiheit der Kunst und die Unabhängigkeit der Institutionen ein. Ihre Arbeit in der Stiftung Kunsthalle Zürich hat das Haus durch schwierige Phasen geführt und seinen Ruf als Ort der radikalen Zeitgenossenschaft gefestigt. Hoffmann versteht es die verschiedenen Fäden ihrer Tätigkeiten zu einem dichten Gewebe zu verknüpfen bei dem jedes Projekt das andere befruchtet. Sie ist eine Vermittlerin zwischen den Kontinenten und den Disziplinen die stets darauf bedacht ist dass die Qualität der Inhalte über der Lautstärke der Vermarktung steht.
Bürgersinn statt aristokratischer Attitüde das Selbstverständnis der Maja Hoffmann
Trotz ihres enormen Reichtums und ihres Einflusses gilt Maja Hoffmann als öffentlichkeitsscheu und diskret. Sie sucht nicht das Rampenlicht für ihre Person sondern für ihre Projekte. In einem Gespräch mit dem Magazin M der Tageszeitung Le Monde im Jahr zweitausendsiebzehn machte sie deutlich dass sie sich keineswegs als die Königin von Arles begreift auch wenn die Medien ihr diesen Titel gerne verleihen. Solche Bezeichnungen missfallen ihr da sie eine Distanz suggerieren die sie in ihrer Arbeit gerade vermeiden möchte. Hoffmann sieht sich selbst einfach als Bürgerin ihrer schönen Stadt die bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Sie möchte nicht von oben herab regieren sondern Teil eines organischen Prozesses sein. Ihr Privatvermögen setzt sie dort ein wo staatliche Stellen an ihre Grenzen stoßen wobei sie stets auf Transparenz und Nachhaltigkeit achtet. Diese Bescheidenheit im persönlichen Auftreten kombiniert mit einer pharaonischen Entschlossenheit in der Sache macht ihre Persönlichkeit so faszinierend. Sie ist eine Mäzenin die keine Denkmäler für sich selbst baut sondern Räume für andere schafft. Ihr Vermächtnis liegt nicht in der Anhäufung von Besitztümern sondern in der Ermöglichung von Diskursen die unsere Welt ein Stück weit verständlicher machen.
Zusammenfassend lässt sich sagen dass Maja Hoffmann das Modell der modernen Mäzenin neu definiert hat. Sie ist eine Frau der Tat die keine Angst vor der Komplexität hat und die bereit ist langfristige Risiken einzugehen. Ihr Luma Projekt in Arles ist ein Experiment mit offenem Ausgang das bereits jetzt die Art und Weise verändert hat wie wir über die Beziehung von Kunst und Stadtplanung nachdenken. Sie hat bewiesen dass man mit Leidenschaft und strategischer Klugheit Orte verwandeln kann ohne ihre Seele zu zerstören. Maja Hoffmann bleibt die stille Regisseurin im Hintergrund die dafür sorgt dass die Stimmen der Kunst in einer lauten Welt nicht überhört werden. Ihr Wirken ist ein Plädoyer für die Macht der Zivilgesellschaft und ein Geschenk an die Zukunft der Kultur. Wir dürfen gespannt sein welche globalen Ideen sie als nächstes in die Gassen von Arles und in die Museen der Welt tragen wird.
Mehr Informationen unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Maja_Hoffmann
Signums sine Tinnitu stellt in dieser Serie die einflussreichsten Künstler unserer Zeit vor. Als Galerie für zeitgenössische Kunst fördern und publizieren wir Künstler aus allen Bereichen modernen Schaffens.
