Ausstellungen in Berlin: Art-Boom – aber kein Basel-Effekt

Date : 21. November 2018

Ausstellungen in Berlin sind angesagt. Die Szene boomt boomt. Mit Messen wie der Berlin Art Week oder dem Gallery Weekend mischt die Hauptstadt kräftig mit. Doch wo bleibt das Geld und wo die freie Szene?

Ausstellungen in BerlinDas Bild, das Berlins Kreativszene lange Zeit prägte, hat sich gewandelt. Immer mehr Galerien sprießen aus dem Boden. Immer mehr berühmte Künstler stellen hier aus und Berlin ist zu einem Meltingpot für zeitgenössische Kunst geworden.

Die Hauptstadt tut es New York und anderen großen Kunstmetropolen gleich, wo Hollywoodgrößen wie Scarlett Johansson und Leonardo Di Caprio,auf Messen wie der Frieze oder Ausstellungshäusern wie der Gaugosian Gallery zum Standard der Besucherliste gehören.

Die Berlin Art Week ist zum wichtigsten Termin für ausstellende Künstler geworden. Alle, die auf dem internationalen Kunstmarkt Einfluss haben tummeln sich im September hier oder auf dem Gallery Weekend im April. An großen Namen mangelt es nicht: Damien Hirst, Dieter Mammel oder Olafur Eliasson geben ihre Werke einem großen Kunstpublikum preis und die Galerien hoffen auf zahlende Sammler.

Die diesjährige Art Week präsentierte sich mit Größen wie Rebecca Horn, Meg Stuart oder Lee Bul, die noch bis zum 13. Januar 2019 im Martin Gropius Bau ihre erste Soloschau in Deutschland zeigt. Unter dem Titel „Crash“ sind sowohl Installationen, als auch Zeichnungen und Gemälde der koreanischen Künstlerin zu sehen. Besonders mit ihren futuristisch wirkenden Installationen verweist sie auf subtile Weise auf gesellschaftliche Missstände und Katastrophen wie das Schiffsunglück der „Sewol“, bei dem im April 2014 Hunderte Menschen starben. Sie selbst bezeichnet sich allerdings nicht als politisch. Ihr gehe es um die „Grundlagen des Menschen“.

Deutlicher ist die Videokünstlerin und Gewinnerin des Preises der Nationalgalerie 2017, Agnieszka Polska. Ihre Mehrkanal-Installation „The Demon`s Brain“, die noch bis März 2019 im Hamburger Bahnhof ausgestellt wird, ist als klarer Appell an die Verantwortung jedes Einzelnen in unserer überfordernden Gegenwart zu verstehen. Dies schafft sie mit animierten Dämonen in Kindchenschema-Optik, die das Herz der Zuschauer anrühren sollen und dem Besucher am Ende mahnend zurufen: „It´s not too late.“

 

Ausstellungen in Berlin: Abstrakter Kontext versus politische Statements

Viele Werke auf der Art Week sind abstrakt, fordern den Besucher heraus, wie die Acryl-Leinwandarbeiten der deutschen Künstlerin Antje Zeiher, die Umwelt und Alltag zerstückeln und vom Betrachter eine Assoziation der Bestandteile fordern.

Vieles, was zunächst politisch anmutet, steht für die Künstler selbst in einem höheren Kontext.So auch für den Gewinner des GASAG Kunstpreises, Julian Charrière der in der Berlinischen Galerie den Atomwaffenversuchen auf dem Bikini-Atoll nachging. Dazu tauchte er 50 Meter tief. Ihm gehe es bei seiner Kunst um „menschliche Abhängigkeiten von heutiger Technologie.“ Dann verweist er auf den Mythos der Natur, der aber am Ende nur eine Fabel sei.

Die Frage, ob Kunst im Auge des Betrachters liegt oder überhaupt politisch sein soll und darf, ist alt – und heute wieder aktueller denn je. Derzeit gibt es kaum eine Biennale, die sich nicht gegen das vielerorts fatale politische Geschehen positioniert. So auch die letzte Berlin Biennale, die sich unter dem Titel „We don´t need another hero“ dem Postkolonialismus unserer Zeit widmete und über 150 Arbeiten 46 internationaler Künstler*innen, an fünf Ausstellungsorten zeigte. Dazu die Kuratorin Gabi Ngcobo: „Wir sind alle postkolonial.“

 

Mangelnde Finanzen bei den Ausstellungen in Berlin

Die Veranstalter der Berlin Art Week trieb bei aller Politik noch ein ganz anderes Problem um. Das Kunstevent – bestehend aus den zwei großen Messen Art Berlin und Positions Berlin hätte in diesem Jahr beinahe gar nicht stattgefunden. „Die Finanzierung war bislang immer ein Kraftakt“, so Kristian Jarmuschek, Leiter der Positions. Oft stehe die Förderung durch Berliner Wirtschaftssenat und Kulturverwaltung erst Mitte des Jahres fest. Die Koordinationsschwierigkeiten haben dieses Jahr dazu geführt, dass die gesamte Messe um zwei Wochen verschoben werden musste. Das Event fand schließlich ganz in Berliner Abriss-Manier in den Hangars des ehemaligen Tempelhofer Flughafens statt und versprühte damit viel von dem ursprünglichen Charme, der für zahlreiche Kreative aus aller Welt so unwiderstehlich ist.

Berlin, das ist die Stadt der Möglichkeiten und grenzenloser, künstlerischer Freiheit. Hier findet jegliche Kunst ihr Publikum, egal wie unscheinbar oder provokativ sie auf den ersten Blick wirken mag. Dabei lebt die Stadt gerade von den kleinen Künstlern und Kollektiven. Diese freie Szene, die sich immer wieder neu erfindet, bildet neben zahlreichen Museen den Nährboden für die Kultur-und Kreativstadt. Dies hat auch der Kultursenat erkannt und den Mitgliedern des Netzwerks freier Berliner Projekträume in diesem Jahr 20 hoch dotierte Preise verliehen. Die Art Week Berlin wurde erstmals durch einen neu gegründeten Festival-Fond unterstützt.

Trotzdem sind die Bedingungen hart für Berlins kleine und mittelständische Galeriebesitzer.

Was der Stadt fehle, sei der „Basel-Effekt“, bemängelte Jarmuschek schon 2017 in einem Interview mit dem Zitty-Magazin. Nach Berlin kämen alle gern, in Basel aber würde die Kunst auch gekauft. Hinzu kommt, dass der Markt von einigen wenigen großen Galerien beherrscht wird. Der Unternehmer Markus Resch bezeichnet ihn geradezu als „undemokratisch“. Laut seiner Studie, die sich mit der Vermessung von künstlerischem Erfolg befasste, schafften es von 500.000 untersuchten Künstlern, die in schwachen Institutionen anfingen, gerade einmal 240 in den Olymp.

Dabei ist die Qualität eines Kunstwerkes nicht messbar. Was gute Kunst ist, bestimmen Unternehmer, wie Larry Gaugosian und reiche Sammler über instagram. Dank dieser Entwicklung können Künstler heute, kaum dass sie die Akademie beendet haben, schon Hunderttausende wert sein. Dem Hype beugen sich viele Berliner Ausstellungshäuser, um überleben zu können. Denn die Besucherzahlen außerhalb der großen Events sind seit Jahren rückläufig. Nicht durch die Touristen, sondern durch den Verkauf auf den Messen kommt das Geld. Was hier zählt ist, „Hot, Hot, Hot!“

Mehr Informationen finden Sie bei unseren Ausstellungen in Berlin und anderswo oder im Berlin.de Ausstellungsportal.

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