Ausstellungen in Berlin

Ausstellungen in Berlin: Art-Boom – aber kein Basel-Effekt

Ausstellungen in Berlin sind angesagt. Die Szene boomt. Mit Messen wie der Berlin Art Week oder dem Gallery Weekend mischt die Hauptstadt kräftig mit. Doch wo bleibt das Geld und wo die freie Szene?

Das Bild, das Berlins Kreativszene lange Zeit prägte, hat sich gewandelt. Immer mehr Galerien sprießen aus dem Boden. Immer mehr berühmte Künstler stellen hier aus und Berlin ist zu einem Meltingpot für zeitgenössische Kunst geworden.

Die Hauptstadt tut es New York und anderen großen Kunstmetropolen gleich, wo Hollywoodgrößen wie Scarlett Johansson und Leonardo DiCaprio auf Messen wie der Frieze oder Ausstellungshäusern wie der Gagosian Gallery zum Standard der Besucherliste gehören.

Die Berlin Art Week

Die Berlin Art Week ist zum wichtigsten Termin für ausstellende Künstler geworden. Alle, die auf dem internationalen Kunstmarkt Einfluss haben, tummeln sich im September hier oder auf dem Gallery Weekend im April. An großen Namen mangelt es nicht: Damien Hirst, Dieter Mammel oder Olafur Eliasson geben ihre Werke einem großen Kunstpublikum preis und die Galerien hoffen auf zahlende Sammler.

Die Art Week präsentierte sich mit Größen wie Rebecca Horn, Meg Stuart oder Lee Bul, die im Martin Gropius Bau ihre erste Soloschau in Deutschland zeigte. Unter dem Titel „Crash“ waren sowohl Installationen als auch Zeichnungen und Gemälde der koreanischen Künstlerin zu sehen. Besonders mit ihren futuristisch wirkenden Installationen verweist sie auf subtile Weise auf gesellschaftliche Missstände und Katastrophen. Sie selbst bezeichnet sich allerdings nicht als politisch. Ihr gehe es um die „Grundlagen des Menschen“.

Deutlicher ist die Videokünstlerin und Gewinnerin des Preises der Nationalgalerie 2017, Agnieszka Polska. Ihre Mehrkanal-Installation „The Demon’s Brain“ im Hamburger Bahnhof ist als klarer Appell an die Verantwortung jedes Einzelnen in unserer überfordernden Gegenwart zu verstehen.

Ausstellungen in Berlin: Abstrakter Kontext versus politische Statements

Viele Werke auf der Art Week sind abstrakt und fordern den Besucher heraus, wie die Acryl-Leinwandarbeiten der deutschen Künstlerin Antje Zeiher, die Umwelt und Alltag zerstückeln und vom Betrachter eine Assoziation der Bestandteile fordern.

Die Frage, ob Kunst im Auge des Betrachters liegt oder überhaupt politisch sein soll und darf, ist alt — und heute wieder aktueller denn je. Derzeit gibt es kaum eine Biennale, die sich nicht gegen das vielerorts fatale politische Geschehen positioniert. So auch die Berlin Biennale, die sich unter dem Titel „We don’t need another hero“ dem Postkolonialismus unserer Zeit widmete und über 150 Arbeiten von 46 internationalen Künstlern an fünf Ausstellungsorten zeigte. Dazu die Kuratorin Gabi Ngcobo: „Wir sind alle postkolonial.“

Mangelnde Finanzen bei den Ausstellungen in Berlin

Die Veranstalter der Berlin Art Week trieb bei aller Politik noch ein ganz anderes Problem um. Das Kunstevent hätte beinahe gar nicht stattgefunden. „Die Finanzierung war bislang immer ein Kraftakt“, so Kristian Jarmuschek, Leiter der Positions. Das Event fand schließlich in den Hangars des ehemaligen Tempelhofer Flughafens statt und versprühte damit viel von dem ursprünglichen Charme, der für zahlreiche Kreative aus aller Welt so unwiderstehlich ist.

Berlin, das ist die Stadt der Möglichkeiten und grenzenloser künstlerischer Freiheit. Hier findet jegliche Kunst ihr Publikum, egal wie unscheinbar oder provokativ sie auf den ersten Blick wirken mag. Dabei lebt die Stadt gerade von den kleinen Künstlern und Kollektiven. Diese freie Szene, die sich immer wieder neu erfindet, bildet neben zahlreichen Museen den Nährboden für die Kultur- und Kreativstadt.

Die Bedingungen für Berlins Galerien

Trotzdem sind die Bedingungen hart für Berlins kleine und mittelständische Galeriebesitzer. Was der Stadt fehle, sei der „Basel-Effekt“, bemängelte Jarmuschek. Nach Berlin kämen alle gern, in Basel aber würde die Kunst auch gekauft. Hinzu kommt, dass der Markt von einigen wenigen großen Galerien beherrscht wird. Der Unternehmer Markus Resch bezeichnet ihn geradezu als „undemokratisch“. Laut seiner Studie, die sich mit der Vermessung von künstlerischem Erfolg befasste, schafften es von 500.000 untersuchten Künstlern, die in schwachen Institutionen anfingen, gerade einmal 240 in den Olymp.

Dabei ist die Qualität eines Kunstwerkes nicht messbar. Was gute Kunst ist, bestimmen Unternehmer wie Larry Gagosian und reiche Sammler über Instagram. Dank dieser Entwicklung können Künstler heute, kaum dass sie die Akademie beendet haben, schon Hunderttausende wert sein. Dem Hype beugen sich viele Berliner Ausstellungshäuser, um überleben zu können.

Mehr Informationen finden Sie bei unseren Ausstellungen in Berlin und anderswo, auf unserer Seite über Galerien in Berlin oder im Überblick über die wichtigsten Kunstmessen weltweit.