Im September 2004 legte die Galeristin Tanja Gerken den Grundstein für eine Institution, die sich heute als fester Bestandteil der Berliner Kunstlandschaft etabliert hat. Die Galerie Gerken konzentriert sich primär auf zeitgenössische Positionen, wobei der Fokus deutlich auf den klassischen Disziplinen Skulptur und Malerei liegt. Dennoch bleibt das Programm offen für andere künstlerische Techniken und Ausdrucksformen, um der Vielfalt der Gegenwartskunst gerecht zu werden. Ein besonderes Anliegen der Galerie ist die Entdeckung und Förderung junger Talente direkt von den staatlichen Universitäten und Kunstakademien. Neben der Gründerin bringt auch die Kunsthistorikerin Helge Gerken ihre Expertise in die Leitung ein, was der Galerie eine fundierte wissenschaftliche Begleitung ihrer Ausstellungen garantiert.
Biografische Wurzeln und der Weg nach Berlin
Tanja Gerkens Weg zur Galeristin scheint fast vorgezeichnet, blickt man auf ihren familiären Hintergrund. Als Tochter einer Malerin und eines Kunstwissenschaftlers wuchs sie in einer Welt auf, die von schöpferischer Arbeit und theoretischer Reflexion geprägt war. Obwohl sie in ihrer Kindheit selbst künstlerische Versuche unternahm, erkannte sie früh mit einer bemerkenswerten Selbstreflexion, dass ihre wahre Berufung nicht im Erschaffen von Kunstwerken, sondern in deren Vermittlung und Organisation lag. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre und einem Aufenthalt in Paris entschied sie sich bewusst für Berlin. Die Dynamik und die Unmittelbarkeit der Berliner Kunstszene boten in ihren Augen den idealen Nährboden für ihr Galerieprojekt, das den geschäftlichen Sachverstand mit einer tiefen, familiär verwurzelten Liebe zur Kunst verbindet.
Die Suche nach dem richtigen Standort gestaltete sich zunächst als Herausforderung, da Tanja Gerken einen Ort suchte, der sowohl bezahlbar als auch strategisch günstig gelegen war. Die Wahl fiel schließlich auf die Auguststraße, ein Viertel, das bereits durch eine hohe Dichte an Galerien bekannt war. Der dortige Raum bestach durch einen eigenwilligen Schnitt, der es ermöglichte, selbst schwere Skulpturen sicher und wirkungsvoll zu präsentieren. Ergänzt wurde die Fläche durch eine Kabinett-Etage, die einen intimen Rahmen für Zeichnungen und kleinere plastische Arbeiten bot. Eingeweiht wurde die Galerie mit den Werken des renommierten deutschen Bildhauers Michael Schoenholtz, was bereits zu Beginn den hohen ästhetischen Anspruch des Hauses unterstrich.
Räumliche Transformation und technisches Raffinement
Nach acht erfolgreichen Jahren in der Auguststraße vollzog die Galerie Gerken einen bedeutenden Umzug in die Linienstraße in Berlin-Mitte. Die neuen Räumlichkeiten bieten eine großzügige Ausstellungsfläche von 240 Quadratmetern, die sich über zwei Etagen verteilt. Der Zugang erfolgt durch einen markanten Eckeneingang aus Glas, der den Blick in ein Interieur freigibt, das konsequent auf die Bedürfnisse der Kunst ausgerichtet ist. Die Architektur hält sich vornehm zurück, um den Werken den maximalen Raum zur Entfaltung zu geben. Ein besonderes Highlight der neuen Räume ist das spezialisierte Strahlersystem, das eine punktgenaue und farbechte Ausleuchtung der Exponate ermöglicht und somit die Nuancen der Malerei sowie die Oberflächenstrukturen der Skulpturen optimal zur Geltung bringt.
Das kuratorische Konzept der Doppelausstellung
Das Herzstück des Galerieprogramms ist die gezielte Gegenüberstellung von malerischen und bildhauerischen Positionen. Die zentrale kuratorische Ausrichtung strebt danach, diese beiden Gattungen in einen gleichberechtigten Dialog treten zu lassen. Aus diesem Grund haben sich Doppelausstellungen als stetiges Format etabliert, bei denen die Flächigkeit der Leinwand auf die Dreidimensionalität des Objekts trifft. In diesem Spannungsfeld werden sowohl klassische Genres als auch neue Medien verhandelt, wobei die Galerie eine Brücke zwischen etablierten Meistern und vielversprechenden Nachwuchskünstlern schlägt.
Über die reine Betrachtung der Werke hinaus bietet die Galerie Gerken ihren Besuchern die Möglichkeit, tiefere Einblicke in die Arbeitsprozesse der Künstler zu gewinnen. Durch individuell vorbereitete Veranstaltungen und Künstlergespräche wird der Entstehungskontext der Werke beleuchtet und eine persönliche Ebene zwischen Schöpfer und Betrachter geschaffen. Ein weiterer programmatischer Höhepunkt sind die Themenausstellungen zum Jahresende. In diesem Rahmen erhalten auch völlig neue künstlerische Positionen die Chance, sich in einem thematisch gebundenen Kontext erstmals einem breiteren Publikum vorzustellen. Trotz ihres eigenständigen Weges bleibt Tanja Gerken dabei im ständigen Austausch mit ihrer kunstsinnigen Familie, deren fachlicher Rat und Erfahrungsschatz bis heute eine wertvolle Stütze für die Galeriearbeit bilden.
Galerie GERKEN
Adresse: Linienstraße 217, 10119 Berlin
Telefon: 030 – 97894066
E-Mail: info@galerie-gerken.de
Öffnungszeiten: Di – Sa 12-18
Website: www.galerie-gerken.de