Wer sind die Künstler, die unsere Gegenwart prägen? Zeitgenössische Kunst ist weit mehr als ein Etikett für alles, was nach 1960 entstanden ist. Sie ist ein lebendiger, oft widersprüchlicher Diskurs über das, was es bedeutet, jetzt zu leben — zwischen Digitalisierung und Körperlichkeit, zwischen globalem Kunstmarkt und lokaler Identität, zwischen Provokation und stiller Kontemplation.
Signum Sine Tinnitu begleitet diesen Diskurs seit seiner Gründung. Als unabhängige Berliner Plattform für zeitgenössische Kunst zeigen wir Ausstellungen, die Kunst ohne das Rauschen des Marktes erlebbar machen — ohne Vermarktung, ohne Renommee, ohne Trends. Nur der Kritik der eigenen Wahrnehmung unterworfen. Die folgenden Porträts stellen Künstlerinnen und Künstler vor, deren künstlerisches Schaffen die Gegenwartskunst entscheidend geformt hat.
10 zeitgenössische Künstler, die man kennen muss — und warum die Liste hier nicht endet
Jede Auswahl der einflussreichsten zeitgenössischen Künstler ist zwangsläufig unvollständig. Und dennoch gibt es Positionen, an denen niemand vorbeikommt, der die Kunstgeschichte der letzten Jahrzehnte verstehen will. Namen wie Gerhard Richter, Yayoi Kusama, Ai Weiwei oder Damien Hirst stehen für grundlegend verschiedene Ansätze — und doch verbindet sie, dass ihr Werk die Art verändert hat, wie wir über Kunst denken. 10 zeitgenössische Künstler wären schnell benannt. Diese Seite geht weiter. Sie ordnet die wichtigsten Positionen der Gegenwartskunst in ihre Zusammenhänge ein — nach Medien, Strömungen und Haltungen.
Zeitgenössische Maler und die Erneuerung der Malerei auf Leinwand
Die Malerei wurde vielfach totgesagt — und ist dennoch das Medium, das die breiteste Öffentlichkeit erreicht. Zeitgenössische Maler bewegen sich längst jenseits der alten Grabenkämpfe zwischen Abstraktion und Figuration. Die Leinwand bleibt dabei der Ort, an dem sich die fundamentalen Fragen des Bildes verhandeln lassen.
Gerhard Richter hat wie kein anderer gezeigt, dass diese Kategorien obsolet sind. Seine Gemälde pendeln zwischen fotorealistischer Schärfe und radikaler Abstraktion — und stellen dabei immer auch die Frage, was ein Bild überhaupt leisten kann. Er gilt vielen Kunstkritikern als der bedeutendste lebende Maler. Georg Baselitz wiederum hat mit seinen auf den Kopf gestellten Motiven die figurative Malerei auf eine Weise herausgefordert, die vom Expressionismus ebenso geprägt ist wie vom Wunsch, alle malerischen Konventionen zu sprengen. In der jüngeren Generation hat Neo Rauch mit seiner traumhaft-surrealen Bildsprache die Neue Leipziger Schule international bekannt gemacht — seine Gemälde bewegen sich zwischen Surrealismus und einem ganz eigenen, zeitlosen Realismus.
In Großbritannien dominierte über Jahrzehnte Lucian Freud die figurative Malerei. Seine schonungslos ehrlichen Porträts und Akte gehören zu den eindrücklichsten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts — Gemälde von einer physischen Intensität, die den Betrachter nicht loslässt. Peter Doig schafft mit seiner malerischen Kraft Landschaften, die zwischen Erinnerung und Halluzination schweben, während Luc Tuymans mit seinen blass gewaschenen Bildern eine ganz eigene Form der historischen Malerei begründet hat. Marlene Dumas bewegt sich zwischen Malerei und Zeichnung und behandelt Themen wie Sexualität und Tod mit einer Direktheit, die verstört und fasziniert zugleich. Glenn Brown überführt Vorlagen alter Meister in verzerrte, fast psychedelische Neuschöpfungen. John Currin provoziert mit seiner technisch virtuosen Figurenmalerei an der Grenze zwischen Können und Kitsch. Und Sean Scully verbindet in seinen geometrischen Abstraktionen emotionale Tiefe mit formaler Strenge — Malerei von minimalistischen Mitteln und maximaler Wirkung.
Deutsche Künstler zwischen Abstraktion und Anselm Kiefers monumentalem Schaffen
Kaum ein Land hat die zeitgenössische Kunstwelt so nachhaltig geprägt wie Deutschland. Deutsche Künstler stehen für eine besondere Intensität der Auseinandersetzung — mit Geschichte, Materialität und den Grenzen des künstlerischen Ausdrucks.
Anselm Kiefer hat mit seinen monumentalen, materialbeladenen Arbeiten ein Werk geschaffen, das die Last der deutschen Geschichte in visuell überwältigende Bilder übersetzt. Seine Gemälde — oft auf riesigen Formaten, mit Blei, Stroh, Asche und Erde bearbeitet — sind zugleich abstrakt und erzählerisch, zeitlose Ästhetik und historische Anklage. Imi Knoebel, ein Schüler von Joseph Beuys, hat mit seinen reduzierten Farbfeldmalereien und geometrischen Skulpturen eine Position formuliert, die Symmetrie und Strenge mit überraschender Sinnlichkeit verbindet. Rosemarie Trockel hat als Malerin, Bildhauerin und Konzeptkünstlerin Kategorien konsequent verweigert — ihre Strickbilder, Keramik-Arbeiten und Videoinstallationen unterlaufen jede Erwartung. Und Martin Kippenberger steht für eine Kunst, die Ironie, Provokation und Selbstzerstörung zu einem anarchischen Gesamtwerk verschmolzen hat.
Der Maler David Hockney und die ikonischen Bilder der Pop-Art
Wenige zeitgenössische Künstler haben Bilder geschaffen, die so unmittelbar wiedererkennbar sind wie die von David Hockney. Der Maler David Hockney steht für eine Kunst, die visuell ansprechende Klarheit mit konzeptueller Tiefe verbindet. Seine lichtdurchfluteten Swimmingpool-Bilder aus Kalifornien gehören zu den ikonischen Gemälden der modernen Kunst. Doch Hockney ist weit mehr als ein Chronist des sonnigen Westküstenlebens. Seine späte Hinwendung zur digitalen Kunst — Landschaften, gemalt auf dem iPad — beweist, dass sich das Medium Malerei immer wieder neu erfinden kann. Als eine Schlüsselfigur zwischen Figuration und Pop-Art hat er die Grenzen dessen erweitert, was ein Gemälde sein kann.
In der Tradition der Pop-Art steht auch Andy Warhol, dessen Einfluss auf die zeitgenössische Kunstszene kaum überschätzt werden kann. Seine Siebdrucke, seine Factory, sein Verständnis von Kunst als Massenprodukt — all das wirkt bis heute nach. Warhol hat das Verhältnis von Kunst und Kommerz, von Original und Reproduktion grundlegend verändert und damit Generationen von Künstlern den Weg bereitet.
Yayoi Kusama und die immersive Kraft des visuellen Kunstwerks
Nur wenige berühmte zeitgenössische Künstlerinnen haben eine derart unverwechselbare Bildwelt geschaffen wie Yayoi Kusama. Ihre Infinity Rooms — immersive Spiegelinstallationen, die den Betrachter in scheinbar endlose Räume voller Licht und Punkte versetzen — brechen weltweit Besucherrekorde. Doch Kusamas Kunstwerk reicht weit über diese spektakulären Räume hinaus. Seit den 1960er Jahren hat sie ein Gesamtwerk aus Malerei, Skulptur, Collage und Performance aufgebaut, das von obsessiver Wiederholung geprägt ist und zutiefst persönliche Erfahrungen — ihre lebenslange Auseinandersetzung mit psychischer Krankheit — in universelle visuelle Erfahrungen übersetzt.
Kusama steht damit exemplarisch für eine Tendenz der zeitgenössischen Kunst: das Kunstwerk nicht als Objekt an der Wand, sondern als Raum, den man betritt und körperlich erlebt.
Skulptur, Installation und die Entgrenzung des Raums in der zeitgenössischen Kunstwelt
Zeitgenössische Skulptur hat sich vom Sockel gelöst. Sie besetzt Räume, verändert Architekturen und fordert den Betrachter auf, sich körperlich zu ihr zu verhalten. Die Grenzen zwischen Skulptur, Installationskunst und Architektur sind fließend.
Anish Kapoor gehört zu den prägendsten Bildhauern der Gegenwart. Seine monumentalen Arbeiten spielen mit Wahrnehmung, Leere und Unendlichkeit. Richard Serra hat mit seinen riesigen, begehbaren Stahlskulpturen den öffentlichen Raum neu definiert. Antony Gormley erforscht in seinen Figuren aus Gusseisen die Beziehung zwischen Körper und Raum. Ron Mueck irritiert mit hyperrealistischen Skulpturen, deren verstörende Über- oder Unterdimensionierung das Vertraute fremd erscheinen lässt.
Louise Bourgeois hat mit ihren monumentalen Spinnen und psychisch aufgeladenen Installationen ein Werk zwischen Surrealismus und Feminismus geschaffen, das in der Kunstgeschichte eine singuläre Stellung einnimmt. Cristina Iglesiasverwandelt mit ihren begehbaren Installationen Architektur in poetische Erfahrungsräume. Alicja Kwadehinterfragt in ihren Arbeiten physikalische Gesetze und die Natur der Realität. Subodh Gupta nutzt alltägliche Küchenutensilien für monumentale Skulpturen über Migration und Identität. Do Ho Suh baut mit transluzenten Stoffarchitekturen Erinnerungsräume, die Heimat in fragile Materialität übersetzen.
Dan Flavin hat mit Arbeiten aus industriellen Leuchtstoffröhren die Skulptur entmaterialisiert und Licht selbst zum Medium gemacht. Und James Turrell geht noch weiter: Seine Lichträume lösen jede Grenze zwischen Kunstwerk und Umgebung auf und schaffen Erfahrungen von einer fast spirituellen Intensität.
Konzeptkunst, Performancekunst und das künstlerische Schaffen jenseits des Objekts
Einige der einflussreichsten Positionen der zeitgenössischen Kunst lassen sich keinem einzelnen Medium zuordnen. Sie arbeiten mit dem eigenen Körper, mit sozialen Situationen, mit Text oder gefundenen Materialien — und stellen die Frage, was Kunst überhaupt ist.
Joseph Beuys hat mit seinem erweiterten Kunstbegriff die Grundlage für vieles gelegt, was heute selbstverständlich ist. Seine Performances und sein Konzept der Sozialen Plastik wirken bis in die Gegenwart. Marina Abramović hat die Performancekunst über Jahrzehnte an ihre Grenzen getrieben — ihr Werk handelt von Ausdauer, Schmerz und der Begegnung mit dem Publikum. Rirkrit Tiravanija hat mit seinen Koch-Performances die Grenze zwischen Kunst und sozialem Handeln aufgelöst.
Hito Steyerl gehört zu den wichtigsten Stimmen an der Schnittstelle von Kunst und Technologie. Ihre Video-Essays untersuchen die Zirkulation von Bildern im digitalen Zeitalter. William Kentridge verbindet Zeichnung, Animation und Theater zu einem Werk über Macht und Erinnerung. Bruce Nauman hat über ein halbes Jahrhundert mit Neon, Video und Skulptur ein Werk von unübertroffener konzeptueller Schärfe geschaffen. Jenny Holzer setzt Sprache als Material ein — ihre LED-Textinstallationen sind zu Ikonen der Konzeptkunst geworden. Barbara Kruger nutzt die Ästhetik von Werbung und Massenmedien, um Machtstrukturen sichtbar zu machen. Und Christoph Schlingensief hat mit seinen Aktionen zwischen Theater, Film und bildender Kunst ein Gesamtwerk hinterlassen, das in seiner Radikalität einzigartig bleibt.
Anne Imhof hat mit ihrer mehrstündigen Performance Faust im deutschen Pavillon der Biennale von Venedig 2017 einen neuen Maßstab gesetzt — eine zentrale Figur in der zeitgenössischen Kunstszene, die Performance, Malerei und Musik zu einer eindringlichen Gesamterfahrung verbindet.
Jenny Saville, Porträt und die Rückkehr des Realismus in der Malerei
Jenny Saville hat der figurativen Malerei eine physische Wucht gegeben, die in der zeitgenössischen Kunst ihresgleichen sucht. Ihre monumentalen Darstellungen des menschlichen Körpers — oft in extremer Nahsicht, mit einer fast chirurgischen Aufmerksamkeit für Fleisch, Haut und Gewebe — sind Porträts einer neuen Art. Sie zeigen den Körper nicht idealisiert, sondern in seiner ganzen verletzlichen Materialität.
Saville steht für eine Rückkehr des Realismus, die nichts mit nostalgischer Gegenständlichkeit zu tun hat. Ihre Arbeiten sind zutiefst zeitgenössisch — geprägt von medizinischen Bildgebungsverfahren, von der Geschichte der Aktmalerei und von einem feministischen Blick, der den männlich geprägten Kanon der Malerei von innen heraus verändert. Als eine der bekanntesten Malerinnen der Gegenwart ist sie der Beweis, dass die Leinwand nach wie vor ein Ort radikaler Auseinandersetzung sein kann.
Der Künstler Takashi Murakami zwischen Ästhetik, digitaler Kunst und Kunstmarkt
Der Künstler Takashi Murakami hat mit seiner Superflat-Ästhetik die Grenzen zwischen japanischer Populärkultur und westlicher Kunsttradition aufgelöst. Seine Werke — bunte, oft grotesk lächelnde Figuren und Blumenmotive — wirken auf den ersten Blick wie Cartoons. Dahinter verbirgt sich eine präzise Reflexion über Konsumkultur, digitale Kunst und die Frage, wo die Grenze zwischen hoher Kunst und Massenprodukt verläuft.
Murakami betreibt eine Fabrik im Stil von Warhols Factory — hunderte Assistenten produzieren Gemälde, Skulpturen, Animationen und Merchandise. Damit ist er einer der teuersten Künstler der Welt und zugleich einer der umstrittensten. Für seine Bewunderer hat er die Kunstwelt demokratisiert. Für seine Kritiker verkörpert er ihren Ausverkauf.
Banksy, Ai Weiwei und die Kunst als politische Waffe in der zeitgenössischen Kunstwelt
Zeitgenössische Kunst ist nie unpolitisch. Doch einige Künstler haben die politische Dimension ihres Schaffens zum Kern ihres Werks gemacht.
Ai Weiwei ist zum internationalen Symbol für den Widerstand gegen autoritäre Systeme geworden — ein engagierter Künstler, dessen Arbeiten ästhetische Kraft mit politischer Dringlichkeit verbinden. Von den Sonnenblumenkernen in der Tate Modern in London bis zu seinen Filmen über die Flüchtlingskrise zeigt sein Werk, dass Kunst Haltung einfordern kann.
Banksy operiert aus der Anonymität heraus und hat mit seinen Straßenarbeiten eine Form der Street Art geschaffen, die Millionen erreicht. Seine Graffiti und Aktionen werfen die Frage auf, wem der öffentliche Raum gehört — und ob Kunst einen Rahmen braucht, um als Kunst zu gelten. Banksy ist damit vielleicht die bekannteste Figur in der zeitgenössischen Kunstszene — und zugleich die am wenigsten greifbare.
Kara Walker übersetzt die Geschichte der Sklaverei in verstörend schöne Scherenschnitt-Silhouetten. Doris Salcedomaterialisiert das Trauma politischer Gewalt in Skulpturen von beklemmender Stille. Santiago Sierra reproduziert Ausbeutungsverhältnisse in seinen Arbeiten — und stellt damit unbequeme Fragen über die Komplizenschaft des Kunstbetriebs. Mona Hatoum verbindet Exilerfahrung mit universellen Themen von Vertreibung. Artur Żmijewskiarbeitet mit dokumentarischen Formaten, die gesellschaftliche Konflikte nicht abbilden, sondern auslösen. Und Paul McCarthydekonstruiert mit drastischen Skulpturen und Performances die amerikanischen Mythen von Konsum und Unschuld.
Jeff Koons und die Frage, was Skulptur, Kitsch und Kunstmarkt verbindet
Kaum ein Künstler polarisiert so sehr wie Jeff Koons. Seine hochglanzpolierten Skulpturen aus Edelstahl — allen voran die Balloon Dogs — bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Pop-Ikone und kalkulierter Banalität. Koons ist einer der teuersten Künstler der Welt, seine Arbeiten erzielen bei Auktionen regelmäßig Rekordpreise. Unter Kunstkritikern ist sein Werk dennoch umstritten: Ist es eine brillante Reflexion über Konsum und Begehren — oder die ultimative Unterwerfung der Kunst unter den Markt?
Was Koons unbestreitbar gelungen ist: Er hat den Begriff dessen, was eine Skulptur sein kann, erweitert — und die Frage, ob Kitsch und Kunst sich ausschließen, endgültig als falsch entlarvt.
Die Young British Artists — Damien Hirst als Schlüsselfigur einer Generation
Kaum eine Bewegung hat die Kunstszene der neunziger Jahre so geprägt wie die Young British Artists. Damien Hirst ist ihr bekanntester Vertreter und eine Schlüsselfigur der modernen Kunst — seine in Formaldehyd konservierten Tiere, seine Spot Paintings und sein unternehmerischer Umgang mit dem Kunstmarkt machen ihn zur Figur, an der sich die Geister scheiden.
Tracey Emin wurde mit schonungslos autobiografischen Arbeiten berühmt. Die Chapman Brothers sind für ihre verstörenden Skulpturen und Eingriffe in historische Druckgrafik bekannt — sie überarbeiten etwa Radierungen von Goya und verschieben damit die Grenze zwischen Hommage und Zerstörung. Marcus Harvey löste einen der größten Kunstskandale der neunziger Jahre aus. Sarah Lucas arbeitet mit rohen Materialien und sexueller Bildsprache. Chris Ofilihat mit seinen Gemälden kulturelle Identität und die Konventionen der Malerei herausgefordert. Cornelia Parkerverbindet Zerstörung und Transformation in poetischen Installationen. Gavin Turk und Martin Creed stellen die Definition von Kunst und Autorschaft selbst in Frage.
Fotografie, Druckgrafik und Medienkunst — bekannte Künstler zwischen Licht und Bild
Die Fotografie hat sich in der zeitgenössischen Kunst von ihrer dokumentarischen Funktion emanzipiert. Bekannte Künstler der Fotokunst haben das Medium zu einem eigenständigen Feld des künstlerischen Ausdrucks gemacht.
Andreas Gursky hat mit seinen großformatigen, digital bearbeiteten Fotografien eine neue Form visueller Geschichtsschreibung begründet. Cindy Sherman hat mit inszenierten Selbstporträts die Konstruktion von Identität sichtbar gemacht. Wolfgang Tillmans bewegt sich zwischen Porträt, Abstraktion und politischem Engagement und wurde als erster Fotograf mit dem Turner Prize ausgezeichnet.
Nan Goldin hat mit ihrer intimen Dokumentation die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem aufgelöst. Shirin Neshat untersucht in Fotografien und Videoarbeiten die Stellung der Frau in islamischen Gesellschaften. Jeff Wall hat mit leuchtkastenartig präsentierten Fotografien das Konzept des fotografischen Bildes erweitert.
Bill Viola gilt als Pionier der Videokunst — seine Arbeiten verbinden technologische Virtuosität mit spiritueller Tiefe. Pipilotti Rist schafft immersive Videoinstallationen voller Farbe und feministischer Subversion. Christian Marclay hat mit The Clock — einem 24-stündigen Film aus tausenden Filmausschnitten — eines der bedeutendsten Kunstwerke des 21. Jahrhunderts geschaffen.
Globale Perspektiven — zeitgenössische Künstler jenseits des westlichen Kanons
Die zeitgenössische Kunstwelt ist längst keine westliche Erzählung mehr. Künstler aus Asien, Lateinamerika, Afrika und Ozeanien haben die Kunstszene entscheidend erweitert — und stellen die eurozentrischen Narrative der Kunstgeschichte in Frage.
Zhang Xiaogang hat mit seinen Bloodline-Porträts die kollektive Erinnerung Chinas in ikonische Bilder gefasst. Gabriel Orozco bewegt sich zwischen Skulptur, Fotografie und Intervention und hat die lateinamerikanische Contemporary Art international sichtbar gemacht. Wangechi Mutu schafft mit hybriden Figuren aus Collage und Skulptur eine Bildwelt, die afrikanische Mythologie und Feminismus verschränkt. Lisa Reihana hat mit Videoarbeiten indigene Perspektiven aus Neuseeland eingebracht.
Sheela Gowda arbeitet mit Materialien wie Kuhdung und Kumkum und verbindet die sinnliche Erfahrung indischer Alltagskultur mit den formalen Fragen zeitgenössischer Skulptur. Richard Bell verfolgt einen aktivistischen Ansatz aus der Perspektive der Aboriginal Australians. Fujiko Nakaya verbindet mit ihren Nebelskulpturen Natur und Technologie auf poetische Weise. Und Mariechen Danz untersucht in ihren skulpturalen Arbeiten die Beziehung zwischen Körper und Wissen.
Wo man zeitgenössische Kunst erleben kann — Galerien, Kunstmessen und Ausstellungen
Zeitgenössische Kunst entsteht nicht im Vakuum. Sie braucht Orte der Begegnung — Galerien, Kunstmessen, Biennalen und Ausstellungsräume, die den Rahmen für die Auseinandersetzung schaffen.
Berlin ist eine der wichtigsten Städte für zeitgenössische Kunst weltweit. Die Berliner Galerienszene bietet eine Dichte und Vielfalt, die international ihresgleichen sucht. Kunstmessen wie die Art Basel, die Art Cologne oder die Berliner Listeermöglichen einen Überblick über das aktuelle Kunstgeschehen. Die großen internationalen Biennalen — allen voran die Biennale von Venedig und die Documenta in Kassel — setzen die Maßstäbe für den kuratorischen Diskurs. Hinter all diesen Orten stehen Kuratoren und Museumsdirektoren, die über ihre Auswahl bestimmen, welche Kunst sichtbar wird.
Signum Sine Tinnitu versteht sich als ein solcher Ort. In unseren eigenen Ausstellungen in Berlin zeigen wir zeitgenössische Kunst in wechselnden Formaten — von Gruppenausstellungen wie Helden der Popkultur und Dramaturgien des Zwischenraums bis zu Einzelpräsentationen wie Light with no Sound oder Dark Ages. Unser Anspruch: Kunst als aus sich selbst sprechendes Subjekt erlebbar machen — ohne das Rauschen.
Signum Sine Tinnitu stellt in dieser Serie die wichtigsten Künstlerinnen und Künstler der Gegenwartskunst vor. Als unabhängige Plattform für zeitgenössische Kunst fördern und publizieren wir Positionen aus allen Bereichen modernen Schaffens.
